Chemnitz: Journalisten berichten von mehreren Attacken während der Demonstrationen

Kritik an Polizei : Journalisten offenbar von Demonstranten attackiert

In Chemnitz sind mehrere Tausend Menschen auf die Straße gegangen, viele folgten einem Aufruf von AfD und Pegida. Journalisten berichteten von den Demonstrationen. Videos zeigen, wie einige bedrängt und attackiert wurden.

Begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot sind am Samstag mindestens 8500 Menschen verschiedener Lager in Chemnitz auf die Straße gegangen. Mehrere Medien berichteten von Attacken auf ihre Mitarbeiter am Rande der Demonstrationen:

Wie der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) mitteilte, wurden zwei Mitarbeiter angegriffen. Die Polizei bestätigte, dass eine Anzeige des Senders eingegangen ist. „Vorfall mit einem MDR-Team in einer Privatwohnung. Wir haben eine Anzeige aufgenommen und ermitteln“, twitterte die Polizei am Samstagabend. Zu Details konnte eine Sprecherin noch nichts sagen. Der Sender selbst sprach von einer „Attacke“ und einem Angriff auf zwei erfahrene Reporter, wobei einer verletzt wurde.

In einem Video, das der Sender per Twitter teilte, erzählt einer der Journalisten, dass die Reporter bei Anwohnern geklingelt und gefragt hätten, ob sie vom Balkon aus filmen dürften. „Nein, kein Problem, kommt hoch“, schildert André Berthold von „MDR aktuell“ in dem Video die Situation. Ein Jugendlicher habe die Tür geöffnet und den Weg zum Balkon gewiesen, sie hätten Aufnahmen gemacht. Laut MDR hatten sich die Kollegen auch ordnungsgemäß vorgestellt.

„Plötzlich stand ein Mann hinter uns, sehr kräftig, hat uns von hinten am Schlafittchen gepackt und rausgezogen, die Kamera aus der Hand geschlagen und einen Kollegen die Treppe runtergestoßen“, schilderte er den Hergang. Der Kollege sei stark an der Hand verletzt und habe auch eine Beule, die Kamera sei kaputt. „Der Vorfall mit dem Kamera-Team des MDR wird durch die Polizei untersucht. Eine Einordnung ist bis zur endgültigen Prüfung nicht möglich“, twitterte der MDR.

Auch Mitarbeiter von BuzzFeed und t-online berichteten von Attacken. Auf Twitter veröffentlichten sie Videos davon. „Warum schaffen Sie es nicht, Journalisten wie unseren Reporter vor diesem Mob zu schützen“, fragte t-online-Chefredakteur Florian Harms die Polizei in Sachsen. „Wenn Journalist*innen nicht von Demonstrationen berichten können, ohne dass sie Angst um ihre körperliche Unversehrtheit haben müssen, dann hat die Polizei hier - erneut - versagt“, kritisierte Daniel Drepper von BuzzFeed.

Nach einer ersten Bilanz der Polizei wurden neun Menschen bei den Demonstrationen in Chemnitz verletzt. Zudem wurden mindestens 25 Straftaten verzeichnet. Details zu den Verletzten nannte die Polizei nicht. Bei den Straftaten handelte es sich den Angaben zufolge um Sachbeschädigungen, Körperverletzungen, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Zu den Demonstrationen hatten verschiedene Gruppen aufgerufen: Einem Protest von AfD und Pegida sollen sich rund 4500 Menschen angeschlossen haben, zu einer zeitgleichen Veranstaltung gegen Ausländerfeindlichkeit sollen etwa 4000 Menschen gekommen sein.

(wer/dpa/rtr)
Mehr von RP ONLINE