Plan der Union Bosbach soll die CDU im Osten retten

Exklusiv | Berlin · Eigentlich wollte er keinen Wahlkampf mehr für die CDU machen, doch jetzt soll Wolfgang Bosbach der Union in Ostdeutschland unter die Arme greifen. Warum gerade Bosbach dafür ausgesucht wurde und was bisher genau geplant ist.

CDU-Urgestein Wolfgang Bosbach soll im kommenden Jahr die Union im Osten in den Wahlkämpfen unterstützen. (Archiv)

CDU-Urgestein Wolfgang Bosbach soll im kommenden Jahr die Union im Osten in den Wahlkämpfen unterstützen. (Archiv)

Foto: dpa/Oliver Berg

In Ostdeutschland sieht es auch für die Union nicht gut aus. So liefert sie sich in Sachsen derzeit laut Umfrage ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der AfD, in Thüringen rangiert die CDU sogar zwölf Prozentpunkte hinter der dortigen Höcke-Partei. In beiden Ländern wird im kommenden Jahr gewählt. Ebenso in Brandenburg, wo die Union abgeschlagen hinter der AfD und der regierenden SPD rangiert. Die Kohlen aus dem Ost-Feuer holen soll nun ein CDU-Urgestein: Wolfgang Bosbach.

Der frühere Innenexperte der Bundestagsfraktion ist wohl einer der prominentesten Christdemokraten, ohne jemals ein Ministeramt gehabt zu haben. Der 71-Jährige zieht nach wie vor viel Publikum an, wenn er auftritt. Weil er als Klartext-Mann gilt, weil er während seiner Zeit im Bundestag und in vielen Talkshows die Dinge meist beim Namen genannt hat. Bosbach spricht kontroverse Themen offen an. So wie Generalsekretär Carsten Linnemann es gerne hat – und es auch von anderen in der Partei gerne hätte.

Nun muss Bosbach also noch mal ran, um die Union im Osten mitzuretten. Die Wähler dort, so heißt es intern, könne man vor allem über klare Worte erreichen. „Eigentlich wollte ich ja in puncto Wahlkampf kürzertreten, aber wenn mich mein Freund Carsten Linnemann um Unterstützung bittet, dann kann ich nicht nein sagen“, bestätigte der Rheinländer unserer Redaktion seinen Einsatz. „Die Parteifreunde in den Ländern, in denen 2024 gewählt wird, haben es schwer genug, die brauchen jede Hilfe“, so Bosbach weiter. „Ich kämpfe dort aber nicht in erster Linie gegen die AfD, sondern für die CDU.“

Bosbach, ein Mann vom konservativen Flügel, schied 2017 aus dem Bundestag aus; von der Politik hat er aber nicht wirklich lassen können. Der gelernte Einzelhandelskaufmann und spätere Jurist beriet vor einigen Jahren schon die nordrhein-westfälische Landesregierung als Vorsitzender einer „Kommission für mehr Sicherheit“. Immer wieder unterstützt er Parteifreunde. 2021 kündigt er allerdings an, keinen Wahlkampf mehr für die CDU machen zu wollen. Damals gab es auch aus der eigenen Partei heftige Kritik an einem Auftritt mit Ex-Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen.

Nun der Rückzieher. „Je stärker die CDU wird, umso besser für das Land“, sagte Bosbach. „In allen drei Ländern ist es wichtig, dass nicht gegen die CDU regiert werden kann. Was passiert, wenn das rechnerisch doch geht, kann man ja im Bund sehen.“ Bisher sind zehn Veranstaltungen mit ihm terminiert, zwei oder drei weitere sollen hinzukommen. „Die Bundespartei hat mir volle Unterstützung zugesichert, dafür bin ich dankbar“, betonte Bosbach.

Dass Generalsekretär Carsten Linnemann Bosbach reaktiviert hat, zeigt, wie ernst die CDU die Wahlen im September nimmt und wie es um die Union im Osten steht. Nicht zuletzt werden die drei Urnengänge womöglich auch Einfluss auf die K-Frage haben. Noch ist offen, ob sie davor oder danach entschieden wird.

(has)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort