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CDU-Vorsitz: Norbert Röttgen bewirbt sich erneut vor der Basis

Röttgens Bewerbung vor der CDU-Basis : Zweiter Anlauf um Platz eins

Der Außenpolitiker Norbert Röttgen aus dem Rhein-Sieg-Kreis greift im zweiten Anlauf nach dem CDU-Vorsitz. Er stellte sich am Mittwochabend den CDU-Mitgliedern vor.

Zweiter Anlauf. Neue Lage. Neue Chance. Neuer Wahlkampf. Norbert Röttgen will es noch einmal wissen. Schon bei seiner ersten Kandidatur für den Vorsitz der Bundes-CDU hatte ihm der damalige Sieger, Armin Laschet, nachher vor laufender Kamera bescheinigt: „Respekt, Norbert Röttgen, das war ein starker Wahlkampf.“ Der 56 Jahre alte Jurist aus dem Rhein-Sieg-Kreis hatte damals im Januar dieses Jahres bestenfalls Außenseiterchancen und holte dann aus dem Stand die Stimmen von 224 der insgesamt 1001 Delegierten – knapp ein Viertel – dieses ersten digitalen CDU-Bundesparteitages. Darauf will Röttgen jetzt aufbauen.

400 000 Mitglieder wollen erreicht sein. Kein leichtes Unterfangen. Vor allem sind 400 000 Mitglieder eine reichlich unberechenbare Masse, das Ergebnis kaum vorhersehbar. Röttgen startete am Mittwochabend in einem digitalen Format sein Rennen und stellte sich den Fragen der Parteibasis. Am Abend zuvor hatte Mitbewerber Friedrich Merz die Vorstellungsrunde der drei Kandidaten mit seiner mittlerweile dritten Bewerbung um den CDU-Bundesvorsitz eröffnet. 2018 war er gegen Annegret Kramp-Karrenbauer gescheitert, zu Beginn dieses Jahres dann im zweiten Wahlgang gegen Laschet. Eins, zwei, drei, Merz. Dann Röttgen. An diesem Donnerstag folgt schließlich Helge Braun, Noch-Kanzleramtschef, von dem auch gesagt wird, dass der Hesse Wählerinnen und Wähler von Röttgen abziehen könnte. Ende nächster Woche startet dann die Abstimmungsphase. Am 17. Dezember soll das Ergebnis verkündet werden – Stichwahl möglich. Den Vorsitzenden sollen dann die Delegierten eines Bundesparteitages im Januar in Hannover wählen.

Röttgen steigt sehr persönlich in seine Vorstellung via Parteifernsehen ein. „Mir geht es gut, meine Familie geht es gut, alle machen ihren Weg.“ Aber in Zeiten wie diesen, in dieser vierten Welle der Corona-Pandemie, sei man „irgendwie auch nicht ganz persönlich in dieser Zeit, vieles drum herum bedrückt auch“, sagt der Außenpolitiker und verweist beispielhaft auch an die aktuelle Lage an der polnisch-weißrussischen Grenze.

Röttgen macht, wie bei seiner Vorstellung in der Bundespressekonferenz, auch sofort klar, dass er die CDU als Volkspartei erhalten wolle. „Ich finde, Deutschland braucht diese Volkspartei.“ Aber eben mit Erneuerung. Die Zeiten seien andere geworden. „Wir müssen die Fenster aufmachen, wir müssen die Themen reinlassen, wir müssen die Menschen reinlassen.“ Jünger, weiblicher, moderner – mit diesem Anspruch auf Veränderung war Röttgen schon bei seiner ersten Bewerbung angetreten. Auch an diesem Abend sagt er: „Es kann nicht dabeibleiben, dass nur ein Viertel der Parteimitglieder weiblich ist.“ Röttgen will mehr Frauen zur Mitarbeit in der CDU gewinnen und hat auch schon die Hamburger Bundestagsabgeordnete Franziska Hoppermann als neue Generalsekretärin („Weil ich es mir zutraue“) vorgestellt, sollte er nächster CDU-Chef werden. Nur eine CDU, die glaubwürdig Klimapolitik mache, werde die junge Generation erreichen, so der Kandidat. Die Menschen müssten spüren: „Es treibt uns um, diese globale Erderwärmung.“ Und weiter: „Ich bin bereit, diesen Kampf mit den Grünen aufzunehmen.“ „Wenn die Menschen merken, die CDU hat etwas zu sagen, dann, glaube ich, sind wir interessant.“ Da will er hin – als neuer CDU-Vorsitzender. Und natürlich etwas zu sagen haben. Mitgliederentscheid? Röttgen war da grundsätzlich abwartend, betonte selbst, er sei Anhänger des repräsentativen Prinzips. Aber klar sei doch, wenn die Mitglieder es wollen, dann sollen und müssen sie dabei sein, sagt Röttgen an dem Abend, der ihn, den Kandidaten, den Mitgliedern näherbringen soll. Die Mitglieder sollen spüren: Der Wahlkampf ist endgültig eröffnet. Röttgen will mehr als nur die Außenbahn.