Ausfälle und Reservierungen Unpünktliche Bahn soll ihren Kunden mehr Geld zahlen

Exklusiv | Berlin · Verspätungen, Ausfälle, Ersatzverkehre - auf die Bahnkunden kommt einiges in 2024 zu. Deshalb müssen nach Ansicht der Union die Entschädigungssummen jetzt deutlich erhöht werden. Und auch bei den Platzreservierungen soll es Änderungen im Sinne der Reisenden geben.

Geht es nach der Union, soll die Bahn ihren Kunden künfitg mehr Geld zahlen, wenn ein Zug nicht pünktlich ist.

Geht es nach der Union, soll die Bahn ihren Kunden künfitg mehr Geld zahlen, wenn ein Zug nicht pünktlich ist.

Foto: dpa/Fabian Sommer

Auf die Bahnkunden kommt in diesem Jahr einiges zu. Gleich zu Beginn wird der bereits angekündigte Streik viele Reisepläne durchkreuzen. Wann genau die Lokführergewerkschaft GDL in den Ausstand gehen wird, ist noch unklar – voraussichtlich in der kommenden Woche. Dann startet in 2024 die Generalsanierung der Bahn, was neben den bereits üblichen Ausfällen und Verspätungen für weitere Probleme mit den Zügen sorgen wird. Für drei Wochen ist jetzt schon die wichtige Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim gesperrt. Nun gibt es Forderungen, dem Frust der Kunden zu begegnen. Unter anderem durch höhere Entschädigungszahlungen.

Der verkehrspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Thomas Bareiß (CDU), sagte unserer Redaktion, nur 52 Prozent der Fernverkehrszüge seien im November pünktlich gewesen. „Das ist neuer Negativrekord.“ Die Zahl mache die Misere und enorme Betroffenheit vieler Reisenden nochmals „auf dramatische Weise deutlich“. Bareiß weiter: „Deshalb braucht es jetzt eine Entschädigung, die für die Betroffenen auch wirklich einen gewissen Ausgleich darstellt und zugleich auch der Bahn wehtut und zu Besserem anspornt.“

Aus Sicht der Union sollen die Sätze deshalb deutlich erhöht werden. Für eine Verspätung von bis zu zwei Stunden müsse künftig 50 Prozent des Fahrpreises erstattet werden, ab zwei Stunden dann 75 Prozent „und ab vier Stunden Verspätung muss es den kompletten Fahrpreis zurückgeben“, so Bareiß. Bisher hat derjenige, der mindestens 60 Minuten später als geplant an seinem Zielbahnhof ankommt, lediglich einen Anspruch auf 25 Prozent Erstattung, bei mehr als 120 Minuten sind es 50 Prozent für die einfache Fahrt.

Im vergangenen Jahr hatten schon die Bundesländer darauf gedrängt, dass der Konzern künftig deutlich höhere Entschädigungen an die Reisenden zahlt. Zum einen wegen der EU-Reform der Fahrgastrechte, aufgrund der die Bahnkunden kein Geld mehr erhalten, wenn „höhere Gewalt“ im Spiel ist, also ihr Zug etwa durch ein Unwetter verspätet ist. Auch wolle man damit „Anreize für eine höhere Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der Bahn setzen“, hieß es seitens der Länder. Bislang ist die Initiative aber erfolglos geblieben.

Die Union will die Bahn aber auch anderweitig noch zur Kasse bitten. Das Unternehmen fordere seinen Kunden aktuell viel ab, so Fraktionsvize und Verbraucherexperte Steffen Bilger (CDU). „Wer angesichts voller Züge dennoch entspannt reisen will, ist auf eine Sitzplatzreservierung angewiesen.“ Umso unverständlicher ist es für den CDU-Mann daher, dass Reservierungen im Stornierungsfall vor Fahrtantritt von jeglicher Erstattung ausgeschlossen sind - „anders als Ticketbuchungen im Flexpreis mit voller Erstattung oder im Sparpreis abzüglich Stornierungsgebühr von zehn Euro“. Bilger betonte weiter: „Die Reservierungsgebühren werden so zu einer gegenleistungslosen Einnahmequelle der Bahn.“

Hinzu komme, so der Experte, dass stornierte Reservierungen anderen Fahrgästen wieder zur Verfügung stehen würden, „die Zugauslastung ließe sich auch im Interesse der Bahn so besser steuern“. Offensichtlich wolle sich der Konzern „hier aber schlichtweg zusätzliche Einnahmen sichern. Mit dieser Praxis muss Schluss sein“, forderte Bilger.

(has)