Friedrich Merz meldet sich zurück: CDU-Star auf Wiedervorlage

Friedrich Merz meldet sich zurück : CDU-Star auf Wiedervorlage

Berlin (RP). Mit scharfer Kritik am Linkskurs seiner Partei meldet sich Friedrich Merz zurück. Die Union müsse sich an den Leipziger Reformparteitag von 2003 erinnern, wenn sie als Volkspartei eine Chance haben will, glaubt der Wirtschaftsexperte. Eine Rückkehr in die Politik hält er sich offen.

Wie ein Politiker im Vorruhestand wirkt der schlaksige Mann nicht, der auf der Bühne in der Berliner Stadtmission sitzt, einen Steinwurf vom Hauptbahnhof entfernt. Gestenreich, pointiert und leidenschaftlich ruft der Redner zu Bildungsreformen auf, wirbt für die Chancen der Globalisierung, Mut zu unbequemen Entscheidungen und eine Rückbesinnung auf den Kern der sozialen Marktwirtschaft. Es ist Friedrich Merz, CDU-Fraktionschef a. D., CDU-Präsidiumsmitglied a.D. und CDU-Hoffnungsträger a.D.

Seit die CDU-Vorsitzende Angela Merkel dem Wirtschaftsexperten aus dem Sauerland 2002 den Fraktionsvorsitz aus den Händen riss, hatte sich Merz zurückgezogen. Keine Interviews, kaum öffentliche Auftritte, keine Querschüsse. Fast beleidigt begnügte sich der 53-jährige Anwalt mit den hinteren Bänken des Bundestags. Vor einem Jahr kündigte Merz sogar den Komplettrückzug aus der Politik an. Kaltgestellt von der Kanzlerin.

Außergewöhnlicher Generalangriff

Fast zumindest. Ein "Streitgespräch" mit dem CDU-Sozialexperten und Attac-Mitglied Heiner Geißler, zu dem der Berliner Landesverband eingeladen hatte, nutzt Merz nun zu einem außergewöhnlichen Generalangriff auf den Kurs seiner Partei. Den Linkskurs, wie er es sieht. Es sei ein Fehler, sich von dem Leipziger Reformparteitag — im Dezember 2003 präsentierte Merz seine legendäre "Bierdeckel"-Steuerreform — zu lösen, kritisierte der CDU-Politiker.

Das schlechte Bundestagswahlergebnis der Union 2005 habe nicht mit den Leipziger Beschlüssen, sondern mit "einer personell chaotischen Aufstellung" zu tun gehabt. Kaum ein CDU-Anhänger im Saal, der nicht sofort an den unglücklich agierenden Schatten-Finanzminister Paul Kirchhoff denken muss. Ein Posten, den eigentlich Merz wollte. Stolz verweist Merz schließlich darauf, dass die Meinungsforschungsinstitute die CDU noch kurz nach dem Parteitag bei fast 50 Prozent sahen.

"Mut zu Fundamentalreformen"

Wie die CDU wieder in diese Höhen gelangen könnte, weiß Merz auch: "Sie muss den Mut zu Fundamentalreformen haben." Das Schicksal der aufgelösten italienischen Schwesterpartei "Democrazia Cristiana" lässt der begnadete Redner geschickt einfließen. Für die Arbeit der großen Koalition hat Merz nur miserable Noten übrig. Sie greife dem Bürger "unverschämt in die Taschen", erregt sich der Finanzfachmann. Dass die eigene Parteivorsitzende an der Spitze dieser Koalition steht, spielt in seinen Betrachtungen keine Rolle.

Die Anhänger des CDU-Wirtschaftsflügels sind begeistert. "Wir müssen Merz reaktivieren", jubelt ein Berliner CDU-Mitglied nach der Diskussionsrunde. "Ein toller Auftritt", kommentiert auch der Berliner CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger. Der Umworbene selbst nährt Hoffnungen auf eine Rückkehr. "Ich will nicht ausschließen, dass es einen Weg zurück gibt." Aber nur, wenn "ein Team sich darstellt", das dies möglich machen würde, setzt er verklausuliert hinzu. Merkel meint er wohl nicht.

Unterstützung im Wahlkreis wäre ihm gewiss

Sollte Merz doch wieder für den Bundestag antreten, die Unterstützung in seinem Wahlkreis wäre ihm gewiss. Im Hochsauerland holte Merz mit 57 Prozent das Direktmandat. Zweifel gibt es in Berlin. "Der will doch Geld verdienen", kommentiert ein CDU-Parlamentarier. Immerhin zählt Merz schon jetzt zu den eifrigsten Nebenjobbern im Polit-Geschäft.

Er sitzt in elf Aufsichtsräten und ist Partner einer internationalen Anwaltskanzlei. Eine Agentur vermittelt den CDU-Promi als Redner: Honorar: 10 000 Euro pro Abend. Hinzu kommt: Merkel müsste Merz die Hand zur Versöhnung reichen. Das dürfte der schwierigste Teil sein. "Sie müsste über ihren Schatten springen", sagt ein führender CDU-Mann. "Das kann sie aber nicht."

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(RP)
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