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Integrationsdebatte: CDU-Politiker nimmt Erdogan in Schutz

Integrationsdebatte : CDU-Politiker nimmt Erdogan in Schutz

Frankfurt/Main (RPO). Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bekommt Unterstützung aus der CDU: Ruprecht Polenz, Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, distanziert sich ausdrücklich von der Kritik am türkischen Staatschef. Ankara fördere aktiv die Integration in Deutschland.

Erdogans Regierung sei "die erste in der Türkei, die nicht nur erkannt hat, dass die Türken, die dauerhaft in Deutschland leben, sich hier integrieren müssen, sondern auch etwas dafür tut", sagte der frühere CDU-Generalsekretär der "Frankfurter Rundschau". So sorge sie etwa für eine bessere Vorbereitung der muslimischen Imame, die in die Bundesrepublik kämen.

In seiner Kölner Rede habe Erdogan die Türken in Deutschland aufgefordert, Deutsch zu lernen, sich zu bilden und so den gesellschaftlichen Aufstieg hierzulande anzustreben, betonte Polenz. "Wir sollten verstehen, dass Heimatgefühl nichts Exklusives ist. Man kann sich sehr wohl in seiner Heimat Deutschland zu Hause fühlen, ohne das Land der Eltern oder Großeltern zu vergessen." Zwischen Deutschen und Türken, zwischen der Türkei und Deutschland gebe es "offenbar eine Bereitschaft zu gegenseitigem Misstrauen", sagte Polenz. Dies habe die Aufregung über Erdogans Rede, aber auch sein Auftritt wieder einmal gezeigt.

Grünen-Chefin Claudia Roth nannte es "unglaublich", dass von Erdogans Kritikern nicht gewürdigt werde, "wie er versucht hat, die Stimmung in Ludwigshafen zu beruhigen". Er habe auch ganz klar die deutschen Polizisten und Feuerwehrleute für ihre Arbeit gelobt. In seiner Kölner Rede habe Erdogan als erster türkischer Regierungschef seine Landsleute in Deutschland zum Deutschlernen aufgefordert, betonte Roth.

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sagte zu Erdogans Äußerungen: "Die angemessenen Worte der Mäßigung zur Bewertung der Lage nach der schmerzlichen Brandkatastrophe von Ludwigshafen stehen im krassen Widerspruch zu der Kundgebung für eine Klein-Türkei in Deutschland." So wirkten Erdogans Aufforderungen zur sprachlichen Integration eher wie ein Lippenbekenntnis. Zum EU-Beitritt sagte Niebel: "Die ergebnisoffenen Beitrittsverhandlungen werden noch Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte brauchen."

(ap)