Interview CDU-Mann Mario Voigt „Mit Höcke haben wir den heimlichen AfD-Vorsitzenden im Land“

Interview | Erfurt · Mario Voigt ist CDU-Landesvorsitzender in Thüringen und Spitzenkandidat für die Landtagswahl im September. In den Umfragen rangiert die Union deutlich hinter der AfD. Wie Voigt die Rechten noch einholen will - und was er von der neuen Wagenknecht-Partei hält.

 Mario Voigt (47) kommt aus Jena. Seit 2009 sitzt er für die CDU im Thüringer Landtag. Er ist promovierter Politikwissenschaftler.

Mario Voigt (47) kommt aus Jena. Seit 2009 sitzt er für die CDU im Thüringer Landtag. Er ist promovierter Politikwissenschaftler.

Foto: dpa/Michael Reichel

Herr Voigt, ist Thüringen schon Höcke-Land?

Voigt Nein. Es geht in diesem Jahr in Thüringen und darüber hinaus um die Frage, ob es Veränderungen mit Anstand und Vernunft geben wird. Dafür stehen wir als CDU. Oder ob das Chaos Einzug hält. Wir haben übrigens Anfang des Jahres schon eine Wahl in einer Höcke-Hochburg gewonnen – die Landratswahl im Saale-Orla-Kreis. Es ist also vieles drin.

Sie haben eine Zusammenarbeit mit AfD und Linken ausgeschlossen. Wie wollen Sie dann überhaupt regieren?

Voigt Die Menschen wollen Klarheit haben. Daher ist für mich sowohl eine Koalition mit der AfD als auch mit den Linken ausgeschlossen. Die einen wollen wieder Mauern um Deutschland herum errichten und aus der EU aussteigen, mit unabsehbaren Folgen für Wohlstand und Wirtschaft. Die anderen wollen den Menschen vorschreiben, wie sie zu leben haben. Mit beidem kann die CDU nichts anfangen. Wir schauen nicht nach links und rechts, wir gehen nach vorn. Wir kämpfen für eine starke CDU. Die Frage einer konkreten Regierungsbildung stellt sich auch erst nach der Wahl.

Es gibt nun auch noch die Wagenknecht-Partei, die mit der CDU schon zusammenarbeiten würde. Sie auch mit ihr?

Voigt Die Partei ist noch eine Wundertüte. Schauen wir erst mal, was das Programm und die Personen bieten. Dann kann man sich damit auseinandersetzen. Als CDU konzentrieren wir uns lieber auf unsere eigenen Inhalte und Stärken.

Wo ist die wirtschaftspolitische Stärke der Union geblieben?

Voigt Moment. Der Bundesregierung fehlt doch die Kraft, die richtigen Prioritäten fürs Land zu setzen. Deutschland fällt zurück, weil Mittelstand, Industrie und Handwerk zu viel belastet werden. Wir wollen mehr für die Fleißigen tun. Wer etwa Überstunden macht, muss diese steuerfrei gestellt bekommen. Gerade im Osten spielt das eine große Rolle. Auch macht das Bürgergeld die Arbeitsaufnahme unattraktiv. Mit uns wird es keine anstrengungslosen Leistungsversprechen mehr geben. Das Bürgergeld muss weg.

Reicht das als Konzept?

Voigt Wir wollen selbstverständlich mehr. Thüringen ist Automobilland. Bei uns hängen rund 66.000 Arbeitsplätze in über 700 Unternehmen an diesem Industriezweig. Das unsinnige EU-Verbrennerverbot muss wieder rückgängig gemacht werden. Es geht um die Mobilität im ländlichen Raum, die nicht zu teuer werden darf. Wir setzen deshalb auf technologieoffene Lösungen, die auch beinhalten, dass der Verbrenner über das Jahr 2035 hinaus genutzt werden kann.

Sie haben das neue Grundsatz­programm der CDU federführend erarbeitet. Gibt es noch Verbesserungsbedarf?

Voigt Ich erwarte noch einige Veränderungsvorschläge. Das zeichnet eine lebendige Volkspartei aus. Das neue Grundsatzprogramm bietet eine fortschrittliche, konservative Zukunftsidee für unser Land. Damit machen wir einen klaren Unterschied zum Gewurschtel der Ampel. Wir kümmern uns eben nicht allein um kleine Gruppen und ideologische Nischenthemen, sondern haben alle im Blick.

Was bedeutet die Wahl in Thüringen und in den anderen Ost-Ländern für die K-Frage?

Voigt Es sind zu allererst Landtagswahlen. Wir wollen, dass Thüringen wieder ordentlich regiert wird. Friedrich Merz und Markus Söder werden im Spätsommer einen vernünftigen Vorschlag erarbeiten.

(has)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort