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Union bleibt Partei der Wehrpflicht: CDU-Experte fordert Umbau der Bundeswehr

Union bleibt Partei der Wehrpflicht : CDU-Experte fordert Umbau der Bundeswehr

Berlin (RPO). In der Debatte um die zukünftige Struktur der Bundeswehr hat der Unions-Verteidigungsexperte Andreas Schockenhoff (CDU) grundlegende Änderungen bei der Ausbildung und Ausrüstung gefordert. Die Armee stoße mittlerweile an die Grenzen der Belastbarkeit.

Es stelle sich die Frage, ob die alten Strukturen noch den aktuellen Anforderungen entsprächen, sagte Schockenhoff im Deutschlandradio Kultur. "Offensichtlich ist in der Bundeswehr noch einiges zu sehr an den Herausforderungen des Kalten Krieges ausgerichtet."

Einer Abschaffung der Wehrpflicht erteilte Schockenhoff aber erneut eine klare Absage: "Die Union ist und bleibt die Partei der Wehrpflicht", sagte er dem Sender. Eine zeitlich begrenzte Umstellung der Wehrpflicht auf eine freiwillige Basis schloss er allerdings für die nähere Zukunft nicht aus.

Bei einer Reform der Bundeswehr gehe es vor allem um die künftigen Herausforderungen, die Ausbildung und die Ausrüstung: So könnten bei einem sechsmonatigen Wehrdienst Wehrpflichtige nicht mehr in Auslandseinsätze geschickt werden. Schockenhoff sprach sich zudem für eine stärkere Zusammenarbeit auf europäischer Ebene aus, damit Europa seine sicherheitspolitischen Interessen angemessen wahrnehmen könne.

Truppenstärke drastisch reduzieren

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) plant derzeit eine tiefgreifende Bundeswehrreform, bei der die Truppenstärke um bis zu 100.000 Mann reduziert werden soll. Auch eine Aussetzung der Wehrpflicht und die Schließung zahlreicher Standorte sind im Gespräch.

Die Bundesbürger sind in der Frage der Zukunft der Wehrpflicht gespalten, wie eine am Samstag vorab veröffentlichte Emnid-Umfrage im Auftrag des Nachrichtenmagazins "Focus" ergab. Demnach sprachen sich 43 Prozent der Befragten dafür aus, die Wehrpflicht abzuschaffen, 51 Prozent waren dagegen.

Die Anhänger der SPD waren demnach mit 58 Prozent die entschiedensten Befürworter der Wehrpflicht. Bei der Union waren 52 Prozent gegen die Abschaffung, bei der FDP 54 Prozent - obwohl die Liberalen eigentlich die Abschaffung des Pflichtdienstes fordern. Emnid befragte für die Erhebung am 28. und 29. Juli genau 1001 Erwachsene.

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(AFP/nbe)