Viele Wähler sind noch unentschieden: Warum der Wahlkampf noch spannend wird

Viele Wähler sind noch unentschieden : Warum der Wahlkampf noch spannend wird

Die Debatte um neue Euro-Hilfen für Griechenland, das TV-Duell der Kandidaten und die Landtagswahl in Bayern könnten dem bislang eher müden Bundestagswahlkampf doch noch Schwung geben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel(CDU) predigt es ihren Leuten seit Tagen. Bloß kein Übermut, nichts ist gelaufen. Es wird noch eng.

Die CDU-Chefin, die 2005 erlebt hat, wie schnell ein großer Vorsprung in den Meinungsumfragen bis zur Wahl in sich zusammenschnurren kann, warnt ihre Getreuen in diesen Tagen vor Überheblichkeit angesichts der Übermacht der Union in den Umfragen.

In einer aktuellen Emnid-Umfrage hat Schwarz-Gelb die wochenlang behauptete Mehrheit wieder verloren. Es gibt zudem ein paar Ereignisse und Themen, die den Wahlkampf noch spannend machen könnten. Eine Übersicht:

Griechenland-Hilfen und die AfD Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist es zu verdanken, dass der bislang eher inhaltslose Wahlkampf jüngst eine neue Wendung erfahren hat. Griechenland ist wieder Thema. Dass der CDU-Politiker ein drittes Hilfspaket in Aussicht gestellt hat, wird bei SPD und Grünen intern als "Geschenk des Himmels" bezeichnet.

Denn nun, so die Hoffnung des rot-grünen Lagers, könne man die Glaubwürdigkeit der Kanzlerin angreifen, Merkels Kernkompetenz. Denn die CDU-Vorsitzende will sich nicht konkret zu den möglichen neuen Milliardenrisiken für den deutschen Steuerzahler äußern.

Auch die fast schon abgeschriebene euro-kritische Partei Alternative für Deutschland (AfD) profitiert. Dass das völlig überschuldete Griechenland mit Hilfspaketen nicht zu retten ist, gehört zur Grundüberzeugung der Partei.

Schäubles Gedankenspiele scheinen die Thesen der Wirtschaftsliberalen rund um den Volkswirtschafts-Professor Bernd Lucke nun zu belegen. Die Übergriffe offenbar linksextremistischer Gruppen auf Mitglieder der AfD im Wahlkampf verschaffen der Partei neue Aufmerksamkeit.

Die AfD, so schätzen Meinungsforscher, habe ein "heimliches Stimmenpotenzial" von fünf bis sieben Prozent. Dass sich die Partei in aktuellen Umfragen nur bei zwei bis drei Prozent hält, könnte sich bei einer Zuspitzung der Griechenland-Debatte also rasch ändern. Umgekehrt gilt aber auch, dass die AfD ein ernstes Problem bekommen könnte, wenn sich in ihren Reihen entgegen den Beteuerungen der Partei doch rechtsextreme Personen tummeln und dies bekannt würde.

Das TV-Duell Kommenden Sonntag treffen in den historischen Studios von Berlin-Adlershof die Bundeskanzlerin und ihr Herausforderer zum ersten und einzigen TV-Duell aufeinander. Fast 15 Millionen Zuschauer sahen die vergangenen Fernsehduelle.

Fast jeder Fünfte gab in entsprechenden Umfragen an, dass ihm die Fernseh-Debatte bei der Wahlentscheidung geholfen habe. Vor allem Peer Steinbrück und sein Wahlkampfteam setzen nun große Hoffnungen auf das Duell. Mit einem TV-Coach, den schon Frank-Walter Steinmeier 2009 als Kanzlerkandidat nutzte, bereitet sich Steinbrück auf das Duell vor.

Meinungsforscher wissen: Herausforderer haben es gemeinhin leichter zu punkten als Amtsinhaber. Aber für beide Kontrahenten gilt auch: Ein Missgeschick, eine falsche Geste kann Tausende Wählerstimmen kosten.

Der spätentschlossene Wähler Alle Umfragen belegen es: In den Köpfen der Bürger ist die Bundestagswahl noch nicht angekommen. Das dürfte sich in den kommenden Wochen ändern. Die Mehrheit des Wahlvolks beschäftigt sich erst kurz vor der Wahl intensiv mit der Stimmabgabe.

Für die Parteien bedeutet das auch, dass sie Unentschlossene noch in letzter Sekunde motivieren können. Die Grünen etwa veranstalten daher seit Jahren einen 72-Stunden-Dauerwahlkampf im Internet. Sie beantworten auch nachts um drei Uhr noch Wählerfragen.

Die übrigen Parteien haben inzwischen ähnliche Formate. "40 Prozent der Wähler entscheiden sich in den letzten 14 Tagen. Und weder die Umfrage-Institute noch die Journalisten entscheiden die Wahl", macht sich Steinbrück Hoffnung.

Die Bayern-Wahl Der Urnengang im Freistaat am 15. September ist mehr als eine Testwahl. Die CSU kann mit einem klaren Sieg der Union im Bund enormen Rückenwind verschaffen.

Am besten wäre es für Kanzlerin Merkel, wenn Horst Seehofer knapp die absolute Mehrheit verpasst und die FDP ins Boot holen muss. Am Montag nach der Wahl wären die Bilder der jubelnden schwarz-gelben Bundespolitiker in allen Medien.

Verliert Seehofers CSU die Macht, gliche das einem politischen Erdbeben. Merkel stände als Verliererin da, immerhin büßte die CDU unter ihrer Führung schon bei zehn von 14 Landtagswahlen Stimmen ein. Ein Wahlsieg von Rot-Grün wäre plötzlich wieder Thema.

(brö)
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