TV-Duell 2017: Millionen warten auf Martin Schulz und Angela Merkel

Schulz fordert Merkel : Millionen warten auf das TV-Duell

Sonntag treffen Schulz und Merkel aufeinander. Viele Wähler wollen ihre Entscheidung davon abhängig machen.

Beim TV-Duell von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz am Sonntagabend ab 20.15 Uhr werden nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag des "Stern" deutlich mehr Zuschauer vor den Bildschirmen sitzen als 2013. Damals waren es schon 18 Millionen. Der Umfrage zufolge wollen 48 Prozent aller 61,5 Millionen Wahlberechtigten das von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 übertragene Duell sehen. Gut jeder Fünfte gab an, dass der Ausgang der einzigen direkten Auseinandersetzung zwischen Schulz und Merkel seine Wahlentscheidung beeinflussen könnte.

Szenerie und Ablauf des TV-Duells werden dem Format von 2013 stark ähneln. Die Debatte soll 95 Minuten dauern. Vier Moderatoren stellen die Fragen: Maybrit Illner (ZDF) und Peter Kloeppel (RTL) sowie Sandra Maischberger (ARD) und Claus Strunz (ProSieben/Sat.1). 2013 hatte ProSieben den Entertainer Stefan Raab ins Rennen geschickt. Da dieser sich aus dem Fernsehgeschäft zurückgezogen hat, übernimmt für die Senderfamilie Strunz.

Seit Mittwoch werden in Berlin in den großen TV-Studios in Adlershof im Südosten der Stadt Kabel verlegt, Kameras aufgestellt und Scheinwerfer gerichtet. Wie auch 2013 werden Merkel und Schulz an zwei Stehpulten positioniert. In einer großen Halle nebenan gibt es Platz für 700 Journalisten, Wahlkämpfer, Spin-Doktoren, Wissenschaftler und andere, die das Duell aus professioneller Sicht verfolgen und nach den letzten Sätzen der Kandidaten ihre Bewertungen abgeben.

Ursprünglich wollten die Sender das Format verändern. Eigentlich sollten je zwei Moderatoren in Blöcken fragen. Außerdem wollten die Sender Studiopublikum einladen. ARD und ZDF beklagten sich, dass Merkels Vertraute, Regierungssprecher Steffen Seibert und Medienberaterin Eva Christiansen, dies abgelehnt hätten. Auf der Internetseite der ARD ist zu lesen: "Die Vertreter der Bundeskanzlerin waren mit diesen dramaturgischen Veränderungen nicht einverstanden und lehnten eine Teilnahme unter diesen Bedingungen ab."

Für Merkel ist es schon das vierte Duell. 2005 trat sie als Herausfordererin gegen Gerhard Schröder an. Danach folgten Frank-Walter Steinmeier (2009) und Peer Steinbrück (2013). Jeweils gab es nur ein Duell. Die Kanzlerin wird bei der Vorbereitung auf Bewährtes zurückgreifen: Ihre Erfahrung aus den Vorgänger-Duellen sowie Medienberaterin Christiansen.

Für Schulz ist es das erste Duell. Die SPD hofft, dass ihr Parteichef, der vom Typ her rhetorisch stark und angriffslustig ist, in der direkten Auseinandersetzung Boden gutmachen kann. Manch ein Sozialdemokrat hofft auf den Umschwung im Wahlkampf durch die TV-Auseinandersetzung.

Aus diesem Grund waren die Sozialdemokraten auch so verärgert, dass das Kanzleramt offenbar sehr starre Spielregeln für den Ablauf vorgegeben hat.

Der renommierte österreichische TV-Profi Markus Peichl soll Schulz auf das Duell vorbereiten, heißt es in SPD-Kreisen. Schulz bringt viele Talente mit, die ihm bei dem Duell helfen können. Er kann komplizierte Zusammenhänge einfach, klar und grundsätzlich erklären. Er besitzt Pathos und Emotionen.

Doch trotz dieser Gaben ist das Duell für ihn eine Herausforderung. Er muss sein vulkanisches Talent kanalisieren. Begegnet der SPD-Chef Merkel zu defensiv, wird man ihm Schwäche vorwerfen. Agiert er zu offensiv, könnte er zu aggressiv und damit unsouverän wirken. Für Schulz ist es also wichtig, die Wirkung auf dem Bildschirm neben einer abgebrühten Gesprächspartnerin zu trainieren, die ihren Amtsbonus ausspielen und sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen wird.

Auch Peer Steinbrück war ein hervorragender Rhetoriker. Doch das TV-Duell brachte vor vier Jahren nicht viel Bewegung für den letzten Herausforderer. Zumal Merkel ganz am Ende des Duells mit einem freundlichen und schlichten "Sie kennen mich" seine Argumente neutralisierte.

(qua)