Ärger um ein Foto: Steinmeier verteidigt Steinbrücks Stinkefinger

Ärger um ein Foto : Steinmeier verteidigt Steinbrücks Stinkefinger

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier kann die Aufregung um die Stinkefinger-Geste von Kanzlerkandidat Peer Steinbrück nicht nachvollziehen. "Ich finde, die Ironie in dem Bild ist klar erkennbar", sagte Steinmeier unserer Redaktion.

Derweil ging die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt auf Distanz. Die Geste sei wohl Steinbrücks nonverbale Art, Klartext zu sprechen, sagte die Politikerin dem Sender MDR Info. Sie fügte hinzu: "Meine Form wäre das nicht." Man wisse nicht ganz so genau, wem Steinbrück den Finger zeige. Sie fühle sich aber persönlich nicht angesprochen.

Auf der Titelseite des aktuellen Magazins der "Süddeutschen Zeitung" ist Steinbrück mit ausgestrecktem Mittelfinger zu sehen. Das Foto entstand im Rahmen der Serie "Sagen Sie jetzt nichts", in der mit Gestik und Mimik auf Fragen geantwortet wird. Steinbrück war in Anspielung auf den holprigen Start seines Wahlkampfes gefragt worden: "Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi - um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?" Daraufhin zeigte er den sogenannten Stinkefinger.

Der SPD-Kandidat verteidigte am Donnerstagabend am Rande einer Wahlkampfveranstaltung in München die "geschauspielerte" Geste: Er hoffe, dass die Republik den Humor habe, "diese Grimassen und diese Gebärdensprache bezogen auf die Fragen auch zu verstehen", sagte er.

Scharfe Kritik kam von der CDU: Die Geste zeige, dass Steinbrück "charakterlich nur eingeschränkt geeignet" sei für politische Führungsämter, sagte der CDU-Politiker Steffen Kampeter dem RBB Inforadio. Steinbrück sei ein "guter Sprücheklopfer", aber in den "Extremsituationen, in denen man als Bundeskanzler tätig sein muss, muss man wissen, dass man in jeder Sekunde auch die Bundesrepublik Deutschland vertritt".

Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach wertete die Geste als Hinweis, dass Steinbrück schon aufgegeben hat. "Wer sich kurz vor der Wahl so präsentiert, will doch gar nicht Kanzler werden", sagte Bosbach der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstagsausgabe).

Dem steht allerdings entgegen, dass Steinbrück Führungsansprüche anmeldet. Sollte es am Wahlabend weder für Schwarz-Gelb noch für Rot-Grün reichen, will er persönlich die Verhandlungen über eine mögliche große Koalition führen, wie am Freitag aus SPD-Kreisen verlautete.

Er wolle nicht einfach durch die Hintertür verschwinden, sondern das Heft des Handelns behalten. Wie der abgewählte Kanzler Gerhard Schröder 2005 könnte Steinbrück versuchen, den Preis hochzutreiben. Aus der SPD hieß es aber, dass es dabei bleibe, dass er nicht noch einmal Minister unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werde oder aber Fraktionsvorsitzender.

Steinbrück selbst hatte im TV-Duell erklärt: "Sekt oder Selters." In der SPD wurde betont, dass Vorgehen sei zwischen Steinbrück und Parteichef Sigmar Gabriel abgesprochen, Ziel bleibe aber Rot-Grün.

(RP/AFP/dpa)
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