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Justiz ermittelt gegen Unbekannt: Steinbrück vermutet Erpresser aus Umfeld

Justiz ermittelt gegen Unbekannt : Steinbrück vermutet Erpresser aus Umfeld

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sieht den gegen ihn gerichteten Erpressungsversuch nicht als Beleg für einen schmutziger werdenden Wahlkampf an.

"Das hat erkennbar nichts mit dem Wahlkampf konkurrierender Parteien zu tun", sagte er der "Saarbrücker Zeitung" (Montag). Der Täter sei wahrscheinlich eine Einzelperson aus seinem Wohnumfeld in Bonn. Das ändere jedoch nichts an der strafrechtlichen Relevanz.

"Deshalb wurde auch die Polizei informiert." Auf die Frage, ob er so etwas schon einmal erlebt habe, sagte Steinbrück: "Nicht in Form einer Erpressung. Aber dass man versucht hat, mich oder meine Familie insgesamt in unserer Privatsphäre zu verletzen, das ja."

Auf Kandidatur verzichten

Am Samstag war bekanntgeworden, dass der SPD-Politiker wegen einer angeblich vor 14 Jahren "schwarz" bei ihm arbeitenden Putzhilfe erpresst wurde.

Der unbekannte Täter drohte damit, dies öffentlich zu machen, falls Steinbrück nicht auf seine Kandidatur verzichte. Steinbrück bestritt die anonymen Anschuldigungen, die SPD-Spitze reagierte empört. Zunächst hatte die "Bild"-Zeitung über den Erpressungsversuch berichtet.

Steinbrück erstattet Anzeige

Steinbrück sagte nach einer Wahlkampfveranstaltung in Erfurt, er habe Anzeige erstattet, da es sich um einen strafrechtlich relevanten Vorgang handele. Was er und seine Familie bislang im Wahlkampf erlebt hätten, "geht weit über die Belastungen und Auseinandersetzungen hinaus, was man üblicherweise wird wohl akzeptieren müssen. Dass dazu ein Erpressungsversuch gehört, ist jenseits meiner Vorstellungskraft gewesen." Diese Attacke werde ihn in seinem Wahlkampf aber nicht beeinflussen.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sprach von einer Schmutzkampagne. "Dieser Erpressungsversuch ist bisher der absolute Tiefpunkt in diesem Wahlkampf", sagte er der "Bild am Sonntag". Gabriel betonte: "Ich hoffe sehr, dass die Verantwortlichen für diese Schmutzkampagne dingfest gemacht und vor Gericht gestellt werden. Die ganze SPD steht hinter Peer Steinbrück und seiner Familie."

"Das hat mich sehr berührt"

Steinbrücks Ehefrau Gertrud wies die Vorwürfe in der "Bild"-Zeitung ausführlich zurück. Sie und ihr Mann seien Ende der 90er Jahre nach Bonn gezogen. Da sie im Jahr 1999 durch ihren Beruf und den Umzug stark belastet gewesen sei, habe ihre ebenfalls in der Stadt lebende Mutter ihr "zum Einzug geschenkt, dass ihre Putzhilfe für ein halbes Jahr einmal in der Woche bei uns saubermachen sollte", wird Gertrud Steinbrück zitiert. "Ich zahlte sie für die bei mir abgeleisteten Stunden aus und rechnete das jeweils mit meiner Mutter ab", hieß es weiter.

Nach Ablauf des vereinbarten halben Jahres wollte Gertrud Steinbrück die Putzhilfe selbst übernehmen. Den angebotenen Arbeitsvertrag lehnte die Frau aber ab, weil ihr Mann seinen Job und die Familie damit den Aufenthaltsstatus verloren hätte. Sie habe nur schwarz arbeiten können, wollte aber wegen ihrer sehbehinderten Tochter in Deutschland bleiben, sagte die Steinbrück-Gattin. Sie fügte hinzu: "Das hat mich sehr berührt. Dennoch habe ich ihr sagen müssen, dass ich sie natürlich nicht "schwarz" beschäftigen könne. Als Trost habe ich ihr 500 DM geschenkt."

"Das Richtige für die Familie getan"

Sie sei sich sicher, "damals sowohl für mich und meine Familie als auch für sie und ihre Familie das Richtige" getan zu haben. "Dass mein Mann nach 14 Jahren deswegen erpresst wird, ist infam und macht mich fassungslos", sagte Gertrud Steinbrück weiter.

Steinbrück bestätigte in Erfurt die Darstellungen seiner Ehefrau. Er sagte außerdem, dass in seinem Haushalt in Bonn nach der Ablehnung der Frau, ein festes Arbeitsverhältnis einzugehen, eine bei der Bundesknappschaft angemeldete und sozialversicherte Haushaltsunterstützung beschäftigt sei.

Die Putzfrau, wegen der er erpresst wird, habe er nicht persönlich getroffen, sagte der Kanzlerkandidat der "Bild am Sonntag": "Ich habe die Frau nie kennengelernt." Nach Informationen des Blattes wurde der an Gertrud Steinbrück adressierte Brief am 30. August an das Bonner Amos-Comenius-Gymnasium geschickt, in dem die Ehefrau des Politikers bis zu ihrer Pensionierung Anfang August unterrichtete. Die Schule leitete den Brief am vorigen Mittwoch ungeöffnet an die Privatadresse der Steinbrücks weiter. Das Schreiben wurde im Briefzentrum bei Bonn abgestempelt.

Hier geht es zur Infostrecke: Die wichtigsten Aussagen aus dem TV-Duell

(dpa)