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Starker Mitgliederzuwachs bei FDP und Grünen

Wahlkampf-Effekt : Starker Mitgliederzuwachs bei FDP und Grünen

Die deutlich steigende Aufmerksamkeit für Parteiangebote in Wahlkampfzeiten schlägt sich bei einigen von ihnen auch in rapide steigenden Mitgliederzahlen nieder. Vor allem FDP und Grüne legten in der Schlussphase der Kampagne deutlich zu und stellten frühere Rekorde ein.

Die Parteigeschäftsführer freuen sich kurz vor den Bundestagswahlen über größeres Interesse aus der Bevölkerung, denn bei einigen schlägt sich das auch in signifikant steigenden Eintrittszahlen nieder. Offensichtlich nehmen viele Bürger die intensivere Beschäftigung mit dem personellen und programmatischen Angebot der Parteien zum Anlass, selbst mitmachen zu wollen. Allein in den letzten vier Wochen stieg die Mitgliederzahl bei den Grünen um mehr als 1800, bei der FDP sogar um knapp 3000, wie unsere Redaktion aus Parteikreisen erfuhr.

Beide Parteien erreichten damit jeweils neue Mitgliederrekorde. Die Grünen hatten noch im vorangegangenen Wahljahr 2017 ganze 65.000 Mitglieder und waren mit etwas über 107.000 ins aktuelle Wahljahr gestartet. Daraufhin legten sie noch einmal kontinuierlich zu. Nach der Nominierung von Parteichefin Annalena Baerbock als erste Kanzlerkandidatin der Partei kletterten die Mitgliedszahlen auf 116.949 bis Ende Mai. Im August überstiegen sie die Schwelle von 120.000 und sind aktuell bei 122.000 Mitgliedern.

Auch die FDP kann kurz vor der Bundestagswahl einen neuen Mitgliederrekord vermelden. In dieser Woche wurde dort die Marke von 75.000 Mitgliedern geknackt. Der Höhepunkt war zuletzt 2009 mit 72.000 Mitgliedern erzielt worden, als die FDP mit 14,6 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl erreichen konnte. Danach war die Mitgliederzahl auf unter 63.000 geschrumpft. Durch die Wiedervereinigung hatte die FDP nach dem Zusammenschluss mit den Liberalen der DDR kurze Zeit 168.000 Mitglieder, die Zahl pendelte sich jedoch bald bei 63.000 ein.

CDU und SPD reagierten auf Anfragen zur aktuellen Mitgliederentwicklung mit dem Hinweis, dass sie diese nur jeweils zum Jahresende mitteilten. Ende 2020 verzeichnete die CDU danach 399.119 Mitglieder, die SPD war mit 404.305 Genossinnen und Genossen wieder mitgliederstärkste Partei. Die CSU startete mit 137.000 Mitgliedern ins Wahljahr und ist aktuell auf 139.000 angewachsen.

Bei der AfD ergab sich zwischen den Stichtagen 1. Januar und 1. Juli eine negative Bilanz: Ihr Mitgliederbestand sank von 31.896 auf 30.473. Die Partei erklärt dies insbesondere damit, dass im ersten Halbjahr allein 1200 Abgänge wegen nicht bezahlter Mitgliedsbeiträge erfolgt seien. Mittlerweile gebe es aber wieder mehr Ein- als Austritte. Es sei zu vermuten, dass der laufende Wahlkampf diese Entwicklung befördert habe, meinte Pressesprecher Peter Rohling.

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Auch die Linke hatte Mitte September etwas weniger Mitglieder (60.053) als zum Jahreswechsel (60.356). Allerdings kann die Partei darauf verweisen, dass sich die Online-Eintritte seit Start der Wahlkampagne jede Woche um knapp 30 Prozent steigern. Sie lägen jetzt bei 25 bis 35 täglich. Das seien zwei- bis dreimal so viele wie noch im Juni. „Man kann von einer kleinen Eintrittswelle sprechen“, sagte Parteisprecher Matthias Hinze. Wie viele Menschen zusätzlich vor Orte ihren Parteibeitritt vollzögen, könne wohl erst nach der Wahl gänzlich erfasst werden. Kreisverbände berichteten von Beitritten direkt an den Informationsständen oder bei Haustürbesuchen. Im Vergleich zu den Vorjahren sei dies eine deutliche Steigerung, da die Sommermonate gewöhnlich die beitrittsschwächsten seien. Im letzten Wahljahr 2017 sei die „große Eintrittswelle“ erst am Wahltag und danach registriert worden.