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Politbarometer: Grüne liegen knapp vor der Union in Umfrage

Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen : Grüne knapp vor der Union in Umfrage

Der Höhenflug der Grünen hält weiter an. Auch in der jüngsten Umfrage des Politbarometers kommen sie auf 26 Prozent, die Union nur auf 25. Andere Umfragen bestätigen den Trend. Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock gewinnt zunehmend an Zustimmung.

Nun sind die Grünen auch beim Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen an der Union vorbeigezogen – in der Stimmung und auch in der Sonntagsfrage. Wenn also jetzt Bundestagswahl wäre, würden die Grünen mit 26 Prozent knapp vor der Union mit 25 landen. Das ist der historisch niedrigste Wert für die CDU/CSU. Für die Partei der Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock wäre das ein Zugewinn von fünf Prozentpunkten, während die Christdemokraten sechs Punkte einbüßen würden. Die anderen Parteien wäre unverändert, nur die FDP könnte um einen Punkt auf zehn Prozent zulegen. Die SPD bliebe bei 14 Prozent, die AfD bei elf und die Linke bei sieben Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt der ARD-Deutschland-Trend des Instituts Infratest-Dimap. Danach kommen die Grünen auf 26 Prozent (plus vier) und liegen vor der Union, die nur 23 Prozent (minus vier). Auch hier gibt die CDU/CSU zum ersten Mal ihre Führungsrolle ab. In der Sonntagsfrage werden Parteibindungen und taktisches Verhalten der Wähler und Wählerinnen mitberücksichtigt.

In der aktuellen Stimmung, die nur den spontanen Wahlwunsch abbildet, liegen die Grünen mit 32 Prozent (plus acht Punkte) sogar noch weiter vor der Union, die auf 26 Prozent (minus elf) kommt. Hier gewinnen SPD (14 Prozent), FDP (neun) und Linke (sieben) je einen Punkt hinzu. Die AfD ist mit sieben Prozent unverändert. Allerdings würden 50 Prozent der Befragten eine Regierung unter Führung der CDU vorziehen, nur 39 Prozent eine Regierung unter einer Grünen-Kanzlerin. Nach den Werten der Sonntagsfrage wäre ein grün-schwarzes Regierungsbündnis, aber auch eine Ampel-Koalition aus Grünen, SPD und FDP möglich. Selbst ein grün-rot-rotes Bündnis würde mit 47 Prozent knapp vorne liegen.

Inzwischen haben sich die drei größten Parteien auf ihre jeweiligen Kanzlerkandidaten festgelegt. Davon kann vor allem die Grünen-Vorsitzende Baerbock profitieren. Ihr trauen inzwischen 43 Prozent der Befragten zu, dass sie für das Amt geeignet ist. Im April waren es noch 24 Prozent. Allerdings kann sich auch der Unionskandidat Armin Laschet leicht steigern. Er liegt jetzt bei 37 Prozent (April: 29 Prozent). Für 42 Prozent der Befragten bringt auch der SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz die Voraussetzungen mit, Deutschland zu regieren. Das waren im April noch 37 Prozent. Insgesamt aber überwiegen bei allen drei Kandidaten die Zweifel an deren Kanzlerfähigkeit. Bei Baerbock und Scholz verneinen das jeweils 50 Prozent und bei Laschet 56 Prozent. Im direkten Duell hätte Laschet (46 Prozent) gegenüber Baerbock (44 Prozent) knapp die Nase vorn, würde aber gegenüber Scholz verlieren (43 gegen 46 Prozent). Auch im Zweikampf mit Baerbock (43 Prozent) schneidet Scholz (45 Prozent) besser ab. Allerdings liegen die Werte statistisch sehr eng beieinander und können sich auch leicht ändern.

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Die Spitzenkandidatin der Grünen verfügt indes in ihren eigenen Reihen über einen größeren Rückhalt als ihre Konkurrenten. 85 Prozent ihrer Anhänger sehen in Baerbock eine geeignete Person für das mächtigste Regierungsamt. Im April waren es noch 57 Prozent. Nur jeder zweite Unionswähler (55 Prozent, April: 43 Prozent) sieht in Laschet einen Kandidaten, der die notwendigen Voraussetzungen mitbringt. Bei 73 Prozent (April: 76 Prozent) der SPD-Sympathisanten genießt Kanzlerkandidat Scholz das Image, das Amt ausfüllen zu können.

Die klassische Lagerbildung kommt bei der Frage zum Zuge, wen die Wähler lieber als Kanzler hätten. So wünscht sich eine Mehrheit bei der CDU/CSU (79 Prozent), der AfD (72 Prozent) und der FDP (63 Prozent) den Unionspolitiker Laschet als Kanzler. Baerbock präferieren die Anhänger der Grünen (89 Prozent) der Linken (60 Prozent) und der SPD (47 Prozent).

In der Bewertung der aktuell zehn wichtigsten Politiker und Politikerinnen konnte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihre Führung ausbauen. Auf einer Beliebtheitsskala von -5 bis +5 erreichte sie den Wert 2,2 nach 1,9 im April. Es ist zugleich der beste Umfragewert der Regierungschefin in diesem Jahr. Auf Platz zwei landet der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der auf 1,8 (April: 1,6) kommt. Unter den drei Kanzlerkandidaten haben die Grüne Annalena Baerbock (1,0, April: 0,6) und der Sozialdemokrat Olaf Scholz (1,0, April: 0,7) die höchsten Werte, während der Spitzenkandidat der Union, Armin Laschet, nur 0,2 (April 0,1) erreicht. Bei den eigenen Anhängern schneidet Baerbock mit 3,4 (2,6) vor Scholz (2,6, April: 2,4) am besten ab. Der Christdemokrat Laschet kommt bei den Unionswählern nur auf einen Wert von 1,5 (April: 1,6).

Andere populäre Politiker sind der CSU-Chef Markus Söder (1,3) auf Platz drei sowie der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (1,2) und der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck (1,2) auf Platz vier. Auf Platz sechs folgen Baerbock und Scholz, Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) belegt mit 0,3 Rang acht vor Laschet (neun) und FDP-Chef Christian Lindner (zehn, Beliebtheitswert: 0,0). Allerdings erreicht der Liberale bei den eigenen Anhängern mit 2,7 einen neuen Spitzenwert.

Die wichtigsten politischen Themen

Nach wie vor bestimmt die Corona-Pandemie und die Fragen um das Impfen die politische Tagesordnung. Das geben 74 Prozent aller Befragten an, wenn sie die beiden wichtigsten Problemen in unserem Land benennen sollen. Mit deutlichem Abstand der Bereich Umwelt/Klimaschutz/Energiewende (26 Prozent). Weitere wichtige Themen sind danach die Politikverdrossenheit (9 Prozent), die Wirtschaftslage (8 Prozent), Flüchtlinge/Ausländer/Integration (6 Prozent), Bildung/Schule (6 Prozent) und soziale Gerechtigkeit/soziales Gefälle (6 Prozent).

In der Klimafrage, die als die zweitwichtigste nach der Corona-Bekämpfung gilt, finden 60 Prozent der Deutschen, dass noch erheblicher Handlungsbedarf besteht. Das entspricht dem Wert einer Umfrage vor der Corona-Pandemie. Offenbar spielt hier auch das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts eine Rolle, das den Klimaschutzplan der Bundesregierung als verfassungswidrig erklärte, weil der jüngeren Generation eine zu hohe Bürde auferlegt würde. Nur acht Prozent sind der Meinung, dass die Anstrengungen übertrieben seien. Knapp ein Drittel (29 Prozent) halten die Maßnahmen für genau richtig. Bei den Parteien sticht hier nur die AfD hervor, deren Anhänger zu 44 Prozent meinen, dass zu viel des Guten getan wird.

Bewertung der Corona-Strategie der Bundesregierung

Die aktuellen Corona-Maßnahmen finden wieder eine breitere Zustimmung unter der Bevölkerung. So halten jetzt 49 Prozent der Befragten die aktuellen Regeln für gerade richtig. Im April waren es nur 29 Prozent. Härtere Maßnahmen fordern 23 Prozent. Das ist deutlich weniger als im April, als sich noch 43 Prozent für einen schärferen Kurs aussprachen.  Unverändert 24 Prozent finden die aktuellen Vorgaben übertrieben.

Die in den jüngsten Tagen viel diskutierte Frage, ob es Erleichterungen für Geimpfte und Genesene geben soll, wird von den Befragten klar entschieden. Zwei Drittel (67 Prozent) finden es in Ordnung, wenn diese Gruppe etwa beim Friseurbesuch keinen negativen Corona-Test mehr vorlegen muss. Nur 31 Prozent sind dagegen. Und auch die Kontaktbeschränkungen für Menschen mit Impf- oder Genesungsnachweis sollen nach dem Willen von 59 Prozent der Befragten fallen. Hier fordern 38 Prozent, dass zwischen allen Gruppen kein Unterschied gemacht werden dürfe.

Auch die Unzufriedenheit mit dem Impffortschritt nimmt langsam ab. Stellten im April noch 80 Prozent der Regierung hier ein schlechtes Zeugnis aus, waren es bei der jüngsten Umfrage noch 62 Prozent, was allerdings noch immer ein hoher Wert ist. 35 Prozent zeigten sich hingegen mit den bisherigen Erfolgen zufrieden – nach nur 18 Prozent im April. Eine überwiegende Mehrheit von 70 Prozent wünscht sich auch eine Aufhebung der bisherigen Impfpriorisierung, wie sie jetzt in Aussicht gestellt wird. 28 Prozent votieren für eine Beibehaltung.

Die Interviews wurden in der Zeit vom 4. bis zum 6. Mai 2021 bei 1.271 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch erhoben.