1. Politik
  2. Deutschland
  3. Bundestagswahl

Politbarometer Bundestagswahl: Mehrheit der Bürger hält Rennen für offen

Politbarometer vor der Bundestagswahl : Mehrheit hält das Rennen für völlig offen

Die Zustimmung für die Union aber auch die für die Grünen bleibt stabil. Die SPD und auch die AfD sinken in der Wählergunst. Das Rennen um die Kanzlerschaft halten die meisten aber für völlig offen, zeigt das neue Politbarometer.

Nach dem heftigen Auf und Ab der letzten Wochen vor allem bei Union und Grünen ist die politische Stimmung jetzt relativ stabil: In der politischen Stimmung bleibt die CDU/CSU mit 34 Prozent auf einem der höchsten Werte des Jahres. Die Grünen, deren Spitzenkandidatin Annalena Baerbock zuletzt wegen fehlender Einkünfte-Angaben und Beschönigung des Lebenslaufs in der Kritik stand, legen mit 24 Prozent wieder einen Prozentpunkt zu. SPD und auch AfD verlieren nach der jüngsten Umfrage des Politbarometers der Forschungsgruppe je zwei Prozentpunkte.

Ähnlich sieht es bei der Wählergunst zur Sonntagsfrage aus: Wäre am Sonntag Bundestagswahl, könnte die Union im Vergleich zur letzten Politbarometer-Projektion vor zwei Wochen etwas zulegen, SPD und AfD hätten leichte Verluste. FDP, Linke und Grüne sind konstant. In Zahlen: Die Union wäre mit 29 Prozent der Stimmern stärkste Kraft (plus ein Prozentpunkt), die Grünen bleiben mit 22 Prozent zweitstärkste Kraft.  SPD (14 Prozent) und AfD (10 Prozent) verlieren je einen Punkt.  FDP (10 Prozent) und Linke (7 Prozent) bleiben unverändert.

Nur 3 Prozent sehen SPD als Sieger

Damit hätte eine Koalition aus CDU/CSU und Grünen eine Mehrheit, reichen würde es auch für ein Bündnis aus CDU/CSU, SPD und FDP. Eine weitere Große Koalition wäre ausgeschlossen, genau wie eine Regierung aus Grün-Rot-Rot oder eine Ampel-Koalition aus Grünen, SPD und FDP. Die Mehrheit der Wähler, 80 Prozent (!) Deutschen hält das Rennen um die Kanzlerschaft allerdings für grundsätzlich offen und nur für 19 Prozent der Befragten ist „schon jetzt klar“, wer die Bundestagswahl gewinnt. Drei Monate vor der letzten Bundestagswahl, Ende Juni 2017, hatten mit 39 Prozent deutlich mehr Wahlberechtigte als aktuell die Wahl für bereits entschieden erklärt

Gefragt nach ihrer Erwartung für den September, rechnen 61 Prozent der Befragten momentan mit einem Wahlsieg der Union  und Armin Laschet, 9 Prozent sehen die Grünen mit Annalena Baerbock vorne und nur drei Prozent glauben an die SPD mit Kanzlerkandidat Olaf Scholz als Sieger. Jeder Fünfte (18 Prozent) will überhaupt keine Prognose abgeben. Das Politikinteresse der Wahlberechtigten bewegt sich drei Monate vor der Bundestagswahl auf überproportional hohem Niveau:Starkes Interesse gaben 59 Prozent der Befragten an, nur 10 Prozent interessieren sich nach eigenen Angaben kaum oder gar nicht.

  • Annalena Baerbock beim Parteitag der Grünen.
    Grüne bestätigen Kanzlerkandidatin : 98,5 Prozent für Annalena Baerbock
  • Jemand steckt einen Wahlschein in eine
    Aktuelle Umfrage : Union liegt weiter deutlich vor Grünen
  • Unionskanzlerkandidat Armin Laschet in der Aussprache
    Letzte Regierungserklärung der Kanzlerin : So viel Zukunft wie selten

Kein Kanzlerkandidat kann überzeugen

 Zur Frage, wer sich als Bundeskanzler beziehungsweise -kanzlerin eignet, gehen die Meinungen zu Laschet und Scholz weit auseinander, bei Baerbock überwiegen unverändert die Zweifel. 49 Prozent der Deutschen glauben, dass sich Olaf Scholz als Bundeskanzler eignen würde, 44 Prozent glauben das nicht. Armin Laschet trauen 47 Prozent die Position zu, ebenso viele sind skeptisch. Dass Annalena Baerbock Kanzlerin könnte, meinen 29 Prozent, 65 Prozent sind anderer Meinung.

Wenn sie sich zwischen den Dreien entscheiden müssten, würden die meisten Wähler Armin Laschet ihre Stimme geben (34 Prozent). Scholz favorisieren 26 Prozent, Baerbock 24 Prozent.

Bei der Beurteilung der zehn wichtigsten Politiker und Politikerinnen nach Sympathie und Leistung (“Was halten Sie von?") liegt Angela Merkel (CDU) weiterhin auf Platz eins mit einem Durchschnittswert von 2,4  auf der Skala von +5 bis -5. Es folgen Winfried Kretschmann (Grüne) mit 1,7 und Markus Söder (CSU) mit 1,3. Auf Platz vier liegt SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz mit 1,0 und auf Platz fünf Robert Habeck (Grüne) mit 1,0. Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet ist auf Platz sechs, Kontrahentin Annalena Baerbock (Grüne) verliert weiter und ist auf Platz zehn mit minus 0,1 (Jun. I: minus 0,2). 

Corona: Sorgen vor der vierten Welle

Mit den sinkenden Infektionszahlen geht auch die Angst der Menschen um ihre Gesundheit weiter zurück, obgleich sie nicht verschwindet. 67 Prozent der Befragten befürchten, dass es aufgrund der Mutationen beim Coronavirus zu einer vierten Welle mit einem wieder deutlich erhöhten Infektionsgeschehen kommen wird, 29 Prozent glauben das nicht. Die jetzt geltenden Corona-Maßnahmen halten 63 Prozent für gerade richtig, 16 Prozent fordern, dass die Maßnahmen härter ausfallen sollen und für 19 Prozent sind die aktuellen Vorgaben übertrieben. In Sachen Maskenpflicht befürworten 79 Prozent die Beibehaltung  beim Einkaufen in Geschäften, für 87 Prozent soll das auch in öffentlichen Verkehrsmitteln weiter gelten. Die Zustimmung geht über Wähler aller Parteien hinweg – bis auf die AfD-Anhänger.  Dort sind 59 Prozent bzw. 33 Prozent für das Ende der Maskenpflicht beim Einkaufen bzw. in öffentlichen Verkehrsmitteln.  

Die Interviews hat die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen in der Zeit vom 22. bis 24. Juni 2021 bei 1.271 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch durchgeführt. Dabei wurden sowohl Festnetz- als auch Mobilfunknummern berücksichtigt. Die Befragung ist repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. 

(jra)