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Kommentar zum Sofort-Programm: Peer Steinbrück: "Bei mir rockt es"

Kommentar zum Sofort-Programm : Peer Steinbrück: "Bei mir rockt es"

Umfragewerte werden Kanzlerkandidat Peer Steinbrück offensichtlich nicht mehr vorgelegt. "Die Leute sollen wissen, was sie von Bundeskanzler Peer Steinbrück erwarten können", sagte Steinbrück und legte in der Bundespressekonferenz in Berlin ein Neun-Punkte-Programm vor, das die SPD in den ersten 100 Tagen nach einer Regierungsübernahme umsetzen will.

Mindestlohn, Entgeltgleichheit, Solidarrente, Mietpreisbremse und eine Steuerreform zu Lasten der Reichen gehören dazu.

Dass SPD und Grüne aktuell in Umfrage gerade einmal zusammen 33 Prozent erhalten, blendet der Kanzlerkandidat einfach aus. Kämpferisch, zuversichtlich und mit einer gigantischen Portion Zweckoptimismus ausgestattet, trat er vor die Hauptstadtpresse.

"Lassen Sie die Kommentare stecken, die Sie schon über den Ausgang der Wahl geschrieben haben", forderte Steinbrück die Journalisten auf. "Es ist rein gar nichts entschieden."

Steinbrück rühmt seine Talente

Mehrfach rühmte er sich auch damit, dass sein Wahlkampf interessanter und besser sei, als der von Kanzlerin Angela Merkel. "Bei mir rockt es", sagte er und beschrieb, wie er sich mit jeder Pore seines Körpers dem Wahlkampf verschrieben habe, um das "Maximum" rauszuholen. "Wo ich die Gelegenheit habe zu reden, kann ich die Menschen überzeugen", sagt Steinbrück.

Große Hoffnung setzt er auf das TV-Duell am kommenden Sonntag, in dem er sich als Mann mit "klarer Orientierung" von der Kanzlerin absetzen will. Er will damit punkten, dass er im Gegensatz zur Regierungschefin nicht der Typ sei, der im "Ungefähren" bleibe.

Am Ende bleibt er dünnhäutig

Die Tiefenentspanntheit, die Merkel in diesem Wahlkampf an den Tag legt, regt Steinbrück besonders auf. Merkels Schlüsselsatz beim Regieren sei: "Ich warte ab." Steinbrück setzt dem entgegen: "Ich warte nicht ab."

Freimütig räumt er ein, dass dies "für manchen" auch "anstrengender" sei. Seine Strategie ist es, den Gegensatz aufzubauen zwischen der zaudernden Amtsinhaberin und dem zupackenden Herausforderer.

Steinbrück ist es zumindest gelungen, sich von schlechten Umfragewerten, Wahlkampfpannen und innerparteilichem Zank nicht unterkriegen zu lassen. Das zeigte sein Auftritt. Doch bei aller demonstrierter Souveränität bleibt er dünnhäutig.

Mit Tunnelblick

Auf die Frage, warum er bei allen Wahlkampfauftritten über die Hauptstadtpresse schimpft, wurde er sehr schmallippig. Dann erklärte er, einige Berichterstatter würden eben nicht sehen, was er sieht, wie sehr er Menschen überzeugen könne.

Steinbrück hat sich für den Endspurt im Wahlkampf einen Tunnelblick zugelegt. Das Licht am Ende ist der 22. September. Er lehnt es auch ab, sich mit alternativen Konstellationen außer der von ihm gewünschten rot-grünen Koalition zu befassen. Doch je unwahrscheinlicher die den Umfragen nach ist, desto befremdlicher wirkt die alleinige Konzentration auf dieses Ziel.

Hier geht es zur Bilderstrecke: SPD stellt Wahlkampf-Plakate vor

(qua)