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Anton Hofreiter will Chef der Grünen-Fraktion werden: Mit scharfer Zunge und langen Haaren nach oben

Anton Hofreiter will Chef der Grünen-Fraktion werden : Mit scharfer Zunge und langen Haaren nach oben

Er ist ein Grüner, wie er im Buche steht: Anton Hofreiter, genannt Toni, hat Biologie studiert, trägt lange Haare und Vollbart. Steht er neben Jürgen Trittin in seinen schicken Anzügen, sieht er wie ein Gegenentwurf zu dem Spitzenkandidaten aus. Doch der 43-Jährige, der Trittin nun an der Spitze der Grünen-Fraktion im Bundestag ablösen will, ist kein wilder Revoluzzer, sondern handelt mit Bedacht.

Geboren wird Hofreiter 1970, er wächst in Sauerlach auf, wenige Kilometer südlich von München. Schon als Kind fasziniert ihn nach eigenen Aussagen die Natur, mit elf Jahren beschließt er demnach, Biologie zu studieren.

Mit 14 Jahren beginnt Hofreiter, sich bei den Grünen zu engagieren, mit 16 tritt er in die Partei ein. Nach dem Abitur studiert er tatsächlich Biologie, danach setzt er eine Doktorarbeit in Botanik oben drauf.

Parallel zur Dissertation und einer anschließenden Postdoc-Stelle arbeitet Hofreiter für Grünen-Abgeordnete im bayerischen Landtag, er wird Gemeinderat und Kreisrat für die Partei. 2005 schließlich zieht Hofreiter in den Bundestag ein.

Scharfer Kritiker bei S21 und BER

Dort wird er schnell zum Verkehrsexperten: Erst ist er verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, und als sein Parteikollege Winfried Hermann 2011 Verkehrsminister in Baden-Württemberg wird, übernimmt er von ihm den Vorsitz des Verkehrsausschusses.

In dieser Rolle beweist Hofreiter, dass er scharf denken und scharf reden kann. Einerseits moderiert er die Sitzungen des Ausschusses ruhig und souverän, dabei hilft ihm seine sonore Stimme.

Doch der Politiker kann auch austeilen: Bei Themen wie dem Bahnchaos in Mainz, dem milliardenschweren und umstrittenen Infrastrukturprojekt Stuttgart 21 oder dem Pannen-Hauptstadt-Flughafen BER hat er sich als scharfer Kritiker gezeigt.

Bei den Grünen gilt Hofreiter als Parteilinker. Er selbst habe das zu Beginn seiner Parteikarriere nicht so gesehen, sagt er der Zeitung "Das Parlament". "Ich bin geblieben wie ich war, nur die Partei ist teilweise in die vermeintlich realpolitische Richtung gewandert."

Zurück zu den Wurzeln?

Nach dem schlechten Ergebnis der Partei bei der Bundestagswahl dürften viele Grüne in Hofreiter eine Chance sehen, die Partei wieder in Richtung ihrer Wurzeln zu führen.

Aktuelle Äußerungen Hofreiters sprechen dafür: Ökologie sei eine "ganz zentrale Frage", sagt er am Dienstag nach einer informellen Sitzung der Grünen. In einem Interview noch am Wahlabend hatte er dem "Tagesspiegel" gesagt: "Wir werden uns auf die grünen Themen konzentrieren müssen."

Das klingt nach einer Absage an die weite Öffnung der Partei vor allem hin zu Finanz- und Steuerthemen, für die Trittin stand. Doch den gescheiterten Spitzenkandidaten will Hofreiter nicht kritisieren. Er sei "ein ganz, ganz klasse Fraktionsvorsitzender gewesen", sagt der Nachfolger in spe. "Wenn man Fehler auf Einzelne reduziert, lernt man nicht aus ihnen."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Eindrücke von der ersten Fraktionssitzung der Grünen

(AFP)