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Maischberger: Friedrich Merz streitet mit Hubertus Heil in Talkshow - Nachlese

Merz und Heil streiten bei „Maischberger“ : „Sehr unangenehme Diskussion hier mit diesem Mann“

Die große Koalition hat nach der Bundestagswahl keine Zukunft: Diesen Eindruck konnten Zuschauer zumindest bei der Sendung „Maischberger“ gewinnen. Dort stritten Friedrich Merz und Hubertus Heil miteinander – nicht immer sachlich.

In der „Maischberger“-Sendung am Mittwochabend lieferten sich Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Wirtschaftsexperte Friedrich Merz (CDU), der Teil von Armin Laschets Zukunftsteam ist, einen Schlagabtausch. Im „Wahlduell“ in der Mitte der Sendung sprachen die beiden Politiker mit Moderatorin Sandra Maischberger vor allem über wirtschafts- und sozialpolitische Themen.

Beim Thema Steuern ging es gleich zur Sache: „Die oberen zehn Prozent der Steuerpflichtigen zahlen über 50 Prozent der Einkommensteuer. Also hier so zu tun, als ob die, die viel verdienen, nicht schon überproportional zum Gemeinwesen beitragen, das ist doch einfach unseriös“, sagte Merz. Heil erwiderte: „Sie unterschlagen hier etwas: Die eigentlichen Lastesel der Nation sind die unteren und mittleren Einkommen. [...] Ich will, dass wir die arbeitende Mitte entlasten, die Menschen, die den Laden täglich am Laufen halten.“

„Das war unfair, das ist unredlich und das ist für einen Steuergesetzgeber unwürdig, so vorzugehen“, sagte Merz wenig später. Daraufhin wurde Heil persönlich: „Das sollten Sie Angela Merkel nicht hinterherwerfen. Dass Sie Probleme mit Frau Merkel haben, ist allgemein bekannt, Herr Merz.“ Dieser reagierte sichtlich getroffen: „Herr Heil, Sie begeben sich jetzt auf ein Niveau, das ist inakzeptabel.“

Vor allem bei der Debatte um eine mögliche Erhöhung des Spitzensteuersatzes zeigten sich die großen Unterschiede zwischen den beiden: „Wir haben einen sehr hohen Spitzensteuersatz, wir haben den Solidaritätszuschlag, wir haben die Kirchensteuer“, führte Merz die Steuerbelastungen auf. Heil unterbrach ihn: „Wollen Sie die Kirchensteuer abschaffen?“ Merz erwiderte: „Ich habe Ihnen lange genug zugehört, jetzt lassen Sie mich auch mal einen Satz zuende sprechen.“ Doch Heil ließ nicht locker und sagte mit einem verschmitzten Grinsen: „Warum denn jetzt die Kirchensteuer? Soll die auch abgeschafft werden? Also ich zahle sie gerne.“ Merz sagte daraufhin sichtlich genervt: „Also mit dem Mann ist es wirklich furchtbar.“ Moderatorin Maischberger war nach dieser Ausssage kurz sprachlos.

Anschließend diskutierten die beiden über den Mindestlohn. Die SPD fordert einen Mindestlohn von zwölf Euro. „So, jetzt ist Herr Merz auch mal wieder dran“, sagte Maischberger nach einem langen Monolog von Heil. „Ein Redeschwall ohne Ende“, kommentierte Merz. „Entschuldigung, geht das auch sachlich?“, fragte die Moderatorin. „Entschuldigen Sie bitte, natürlich für Sie.“

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Zum Abschluss des „Wahlduells“ ging es noch um den Mord in Idar-Oberstein. Dort war ein Tankstellen-Kassierer erschossen worden. Angesprochen auf einen möglichen Zusammenhang zur Querdenker-Szene, wie ihn manche Experten sehen, sagte Merz: „Ich bin etwas zurückhaltend mit diesen Querverbindungen.“ Das scheine ihm etwas zu früh zu sein. Er habe jedoch Verständnis, „dass mittlerweile auch ganz normale Menschen, die keine Querdenker sind, das Gefühl haben, die Einschränkungen sind hier etwas zu intensiv“. Merz habe „seine Zweifel“ an manchen Corona-Regeln. Man müsse dafür sorgen, „dass die Zustimmung in der Bevölkerung für die Maßnahmen, die die Politik ergreift, erhalten bleibt“. Dies werde „wahrscheinlich immer schwieriger“. Heil war nach eigenen Angaben „entsetzt“ von Merz’ Aussagen: „Herr Merz, passen Sie mal auf“ – „Ja, Herr Lehrer“, sagte Merz süffisant. Heil weiter: „Wenn so etwas passiert, dann ist es eine Frage des Anstands, erstmal zu sagen, dass da ein Mensch gestorben ist, der nichts falsch gemacht hat.“

Zum Ende des Gesprächs eskalierte die Situation dann: „Jeder Satz, den ich hier sage, wird von Ihnen rumgedreht“, klagte Merz. „Es ist ziemlich unerträglich, wie Sie hier argumentieren.“ „Sehr unangenehme Diskussion hier mit diesem Mann“, endete er.

(mba)