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Wie die CDU die Digitalisierung der Schulen vorantreiben will

„Goldwaage“ Aufwacher-Spezial : Der Unterricht wird digitaler

Wissen mit moderner Computertechnik zu vermitteln, birgt Riesenchancen. Doch wie können die Schulen schneller an solche Lernmethoden herangeführt werden? Das haben wir die CDU gefragt.

Im Wahljahr wollen die Bürger wissen, woran sie sind. Deshalb suchen wir uns die wichtigsten Aussagen der Parteien heraus und legen sie auf die Goldwaage: Wie realistisch ist das Programm, was bedeutet es für die Menschen? Darüber diskutieren wir mit Machern, Kritikern und Experten. Das Ergebnis können sie jeden Samstag bei uns im Aufwacher-Podcast als Spezialfolge hören und als Zusammenfassung in der Zeitung sowie online nachlesen.

Die These Mit einem milliardenschweren Digitalpakt will die Bundesregierung die Modernisierung der Schulen befördern – und zwar schon seit Vor-Corona-Zeiten. Das Projekt ging bereits Mitte 2019 an den Start. Dann kam die Pandemie. Schlagartig wurde deutlich, wie sehr Deutschland an diesem Punkt zurückliegt, wie wenig Schüler und Lehrer technisch in der Lage sind, auf Online-Unterricht auszuweichen – es fehlt schlicht an der erforderlichen Infrastruktur. Das führt dazu, dass bis Ende 2020 nur etwas mehr als die Hälfte der zur Verfügung gestellten Mittel aus dem Digitalpakt abgerufen werden konnten. Hier besteht Handlungsbedarf.

Der Plan Auch die CDU hat den Schuss gehört, nicht zuletzt stellt sie mit Anja Karliczeck die Bundesbildungsministerin. In ihrem Wahlprogramm schreiben die Christdemokraten: „Corona hat Schwächen offengelegt. Das beginnt damit, dass wir in Sachen digitaler Bildung dringend anpacken und unsere Schulen modernisieren.” Nach den Worten von Karliczek bedeutet das, neben der technischen Förderung noch mehr Beratung hinsichtlich neuer Formen digitaler Didaktik für die Pädagogen anzubieten. Dreh- und Angelpunkt bleibe, die 800.000 Lehrer in Deutschland hier weiterzubilden. Bund, Länder in Kommunen sind nach Ansicht der 50-jährigen Ministerin künftig gefordert, in der digitalen Bildung pragmatisch zusammenzuarbeiten. Alle Menschen in Deutschland sollten zum Beispiel den Zugriff auf sämtliche digitale Bildungsangebote bekommen. Dabei könne das von der CDU geplante Bundesministerium für digitale Innovation und Transformation helfen, findet die Christdemokratin, die gebürtig aus Ibbenbüren im Kreis Steinfurt kommt. Damit die Zusammenarbeit zwischen Bund, Länder und Kommunen klappt, könnte es zur Not auch eine Grundgesetzänderung im Bereich der digitalen Bildung geben, die die Befugnisse des Bundes dabei stärkt.

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Die Gegenrede Auch die Liberalen halten es für nicht ausreichend, nur die technische Ausstattung der Schulen zu verbessern. Die Digitalisierung müsse mit der Entwicklung eines neuen pädagogischen Konzepts einhergehen, fordert Katja Suding, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP im Bundestag ist. Daher wolle ihre Partei den Digitalpakt in diese Richtung zu einem „Digitalpakt 2.0“ weiterentwickeln, der etwa Datenschutz, Lernmaterialien und den zügigeren Mittelabruf stärker in den Focus rücke. „Ich finde das Bisherige viel zu ambitionslos“, sagt die 45-Jährige, zu deren Kernthemen Bildung gehört. Dass so viele Kinder in der Pandemie in einem so hoch entwickelten Land wie der Bundesrepublik den schulischen Anschluss verpasst hätten, hält Suding für ein Desaster. Eine Bundesregierung müsse garantieren, das Präsenzunterricht stattfinden könne. Ebenso wichtig seien bundeseinheitliche Bildungsstandards – entsprechend findet sich im Wahlprogramm der FDP ebenso wie in dem der CDU die Forderung nach einem Ministerium für digitale Transformation, das dabei helfen könnte, das Bildungsniveau zu heben. Auch dass sich die CDU in Sachen Grundgesetzänderung bewegt, begrüßt Suding.

Die Einordnung „Im ersten Lockdown offenbarten sich sofort die Lücken im Schulbetrieb“, erinnert sich Julia Rathcke. Die Politikredakteurin der Rheinischen Post registrierte damals, dass Lehrer teilweise nicht einmal eine dienstliche E-Mail-Adresse hatten. Vielen Schülern habe schlicht der Zugang zum Netz gefehlt. Zwar habe die Bundesregierung daraufhin den Digitalpakt von ursprünglich fünf auf 6,5 Milliarden Euro aufgestockt. Doch damit könnten grundlegendere Probleme in der Bildungspolitik nicht beseitigt werden: der Lehrermangel, die unzureichende Integration, ein schülerferner Unterricht, zu große Klassen. „Wir brauchen wieder mehr Menschen, die sich für den Beruf des Lehrers begeistern“, betont Julia Rathcke. Die Digitalisierung sei nur ein kleiner Teil dessen, was an Deutschlands Schulen nachgeholt werden müsse.

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