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Friedrich Merz: CDU-Wirtschaftsexperte ist die letzte Hoffnung für Armin Laschet

Wahlkampagne der Union : Laschet setzt jetzt alles auf Merz

Friedrich Merz war Armin Laschets großer Rivale – jetzt bekommt er eine Hauptrolle im Wahlkampf des Unions-Kandidaten. Für Laschet ist die Berufung des Sauerländers riskant. Aber vielleicht seine letzte Chance.

Es hat lange gedauert, bis sich Armin Laschet zu einem Team durchringen konnte. Der Kanzlerkandidat der Union wollte nicht als schwacher Bewerber um das wichtigste politische Amt in Deutschland dastehen, der von Parteifreunden gestützt werden muss. Seit er aber in den Umfragen immer tiefer rutscht und die Wahlkämpfer der Union ihren Spitzenkandidaten lieber verstecken, bleibt dem Christdemokraten nur die Mannschaftslösung, will er noch eine Chance gegen den SPD-Alleindarsteller Olaf Scholz haben.

Am Dienstag hat er seinen früheren innerparteilichen Rivalen Friedrich Merz Kostenpflichtiger Inhalt zum „wirtschafts- und finanzpolitischen Gesicht“ der Union erklärt, der die Bundespolitik, so Laschet, nach der Wahl prägen werde. Das ist auch ein Stich gegen die amtierende Kanzlerin und Merz-Feindin Angela Merkel, weil sie den NRW-Ministerpräsidenten Laschet aus dessen Sicht nicht angemessen unterstützt. Wichtiger ist jedoch, dass mit Merz der Unions-Wahlkampf wieder an Fahrt aufnehmen dürfte. Der konservative Wirtschaftsexperte ist vor allem im Osten populär, wo er Stimmen von der AfD zurückholen könnte. Außerdem spricht der fulminante Redner die Traditionsbataillone in der Union an, denen Merkel zu sehr nach links gerückt ist.

Die Aufstellung von Merz ist auch aus sachlichen Gründen richtig und konsequent. Denn er stärkt den Kompetenzvorteil der Union in Wirtschafts- und Finanzfragen. Schließlich wurde gerade der von Scholz und dessen ökonomischer Expertise stark infrage gestellt. Merz kann Wahlkampf und Merz kann Wirtschaft, auch wenn er den Beweis der Umsetzung seiner Ideen noch nicht geliefert hat. Vielleicht wird es im Falle eines Wahlsiegs Laschets sein Alterswerk.

Doch die Berufung von Merz trägt auch ihre Risiken. Denn der Sauerländer polarisiert wie nur wenige Unionspolitiker. Vor allem viele Frauen stören sich an seinem machohaften Auftreten, sehen in ihm einen Vertreter des Raubtier-Kapitalismus und des ungehemmten Geldverdienens. Das ist nicht ganz gerecht, aber Merz hat selten versucht, dieses Image nachhaltig abzustreifen. Auch männliche Wähler der Mitte, die sich um den Zusammenhalt in der Gesellschaft Sorgen machen, könnten durch Merz abgeschreckt werden. Doch Laschet, der selbst für diese Mitte steht, braucht nun den Angreifer, der die eigenen Reihen schließt. Noch hat er vier Wochen Zeit – viel ist das nicht.