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IG Metall sorgt mit "Metallmix 2013" für Furore: Ein Wahlwerbespot schafft es zum Netzhit

IG Metall sorgt mit "Metallmix 2013" für Furore : Ein Wahlwerbespot schafft es zum Netzhit

Über Wahlwerbespots wurde in diesem Jahr bereits kräftig gelacht, weil sie mitunter übers Ziel hinausschossen. Andere glänzen mit gähnender Langeweile. Nun aber gibt es tatsächlich einen Clip, der für Begeisterung im Netz sorgt – und der kommt ausgerechnet von der Gewerkschaft IG Metall.

Über Wahlwerbespots wurde in diesem Jahr bereits kräftig gelacht, weil sie mitunter übers Ziel hinausschossen. Andere glänzen mit gähnender Langeweile. Nun aber gibt es tatsächlich einen Clip, der für Begeisterung im Netz sorgt — und der kommt ausgerechnet von der Gewerkschaft IG Metall.

Es fängt ganz harmlos an. "Deutschland entspannt sich" wird zu Beginn des knapp dreiminütigen Spots eingeblendet. Die Bilder dazu: ein älteres Ehepaar beim heimatlichen Fitnesstraining, eine Frau in einem voll besetzten Pool, die plötzlich einen Pups los lässt.

Schließlich seien 2013 schon alle Entscheidungen gefallen, suggeriert der Clip zunächst und zeigt Bilder vom Finale der Champions League oder dem frisch gekürten Klum-Topmodel. Doch dann wirft die IG Metall die Frage auf, ob denn wirklich schon alles entschieden sei. Nein, denn die Bundestagswahl steht an, und "am 22. September werden die Karten neu gemischt".

Die IG Metall ruft zum Wählen auf, setzt dabei auf das Internet wie in diesem Jahr auch viele Parteien. Doch es gelingt der Gewerkschaft, dabei nicht dröge und altbacken zu wirken, sondern für den einen oder anderen Lacher zu sorgen.

Steinbrücks Tränen und Sarrazins Englisch

Etwa, als die Frage nach besserer Bildung gestellt wird und ein Interview-Ausschnitt von Thilo Sarrazin in eher mäßigem Englisch eingeblendet wird. Oder als es heißt "Du hast eine Stimme — Nutze Sie!" und eine Sequenz gezeigt wird, in dem ein Fan nicht wirklich an den Gesang von Beyoncé herankommt.

Mit dramatischer Musik untermalt werden in dem Clip dutzende solcher Videoszenen gezeigt, die im Internet bereits für Furore gesorgt haben, die fast jeder kennt — so wie Peer Steinbrücks Tränen etwa beim SPD-Parteikonvent. Die Gewerkschaft macht sich also genau das zunutze, was viele, vor allem junge, Menschen bei Plattformen wie Youtube suchen — Unterhaltung und Humor. Und das kommt an.

Inzwischen haben den Spot schon mehr als 235.000 Menschen angesehen, und es gibt viel Lob von den Usern. "Klasse Spot und Chapeau!" heißt es da etwa oder "Besser geschnitten als die meisten Wahlwerbespots der Parteien" oder auch: "Bester Wahlwerbespot aller Zeiten".

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Über 55.000 Klicks in 24 Stunden

Selbst die IG Metall wirkt überrascht vom Erfolg des Wahlwerbevideos "Geh wählen — Metallmix 2013". "Wir sind beeindruckt von der viralen Verbreitung mit mehr als 55.000 Klicks innerhalb der ersten 24 Stunden", zitiert das Portal horizont.net IG-Metall-Sprecherin Ingrid Gier. "Die Resonanz bestätigt uns, ein toller Erfolg."

Mit den bekannten Szenen und der dramatischen Musik habe man den bisher etwas drögen Wahlkampf aufgreifen wollen, erklärte Gier. Hauptmotivation sei es aber gewesen, die zahlreichen unentschlossenen Wähler zum Gang an die Urne zu bewegen.

Das wird die Gewerkschaft sicherlich nicht bei allen geschafft haben, wie auch mancher Kommentar unter dem Clip zeigt. Aber sie hat mit dem Spot deutlich gemacht, dass Wahlwerbung nicht immer einschläfernd sein muss — und vielleicht überzeugt das tatsächlich noch den einen oder anderen, am 22. September wählen zu gehen. Denn wie schreibt die IG Metall selbst in der Beschreibung zum Video? Eine hohe Wahlbeteiligung sei auch das Signal, wir schauen euch auf die Finger.

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(das)