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Analyse der Forschungsgruppe Wahlen: Die Deutschen vertrauen Angela Merkel

Analyse der Forschungsgruppe Wahlen : Die Deutschen vertrauen Angela Merkel

Mannheim (RP). Bei der Bundestagswahl ist die Union trotz Verlusten mit klarem Abstand stärkste Partei, die SPD fällt auf ihr schlechtestes Ergebnis überhaupt. Gewinner sind durchweg die kleineren Parteien, die in der Summe so stark sind wie niemals zuvor in der Geschichte der Republik. Zu diesem Schluss kommt die Forschungsgruppe Wahlen in ihrer Analyse.

Warum hat die Union gewonnen? Die zentralen Elemente des Wahlsieges sind ihre Leistungsbilanz, ihr Parteiansehen und primär eine Kanzlerin, die mit guter Arbeit und bester Reputation die teils erheblichen Vertrauensverluste in die Sachkompetenzen von CDU und CSU kompensiert. Vor allem aber kann Merkel ihren SPD-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier in der Kanzler-Frage klar distanzieren, was bei einem gestiegenen Kandidatenfaktor hohe Bedeutung besitzt.

Warum hat die SPD verloren? Die SPD, im Kabinett wie als Partei besser bewertet als 2005, hatte ein strategisches Dilemma: Neben einer stärker in die Mitte gerückten Union verliert sie nach links Wähler, deren Wünsche sie als Regierungspartei nicht bedienen kann. Hinzu kommt die gesunkene Wahlbeteiligung, die nach einem themenarmen, nicht polarisierenden Wahlkampf auf ein Mobilisierungsdefizit der SPD verweist.

Weche Rolle spielt Angela Merkel? Erheblich besser als das Ansehen der Parteien CDU und CSU ist der persönliche Imagewert Angela Merkels, die mit insgesamt 1,9 und positiven Noten in allen Lagern das höchste Ansehen eines Kanzlerkandidaten bei einer Bundestagswahl nach 1990 erzielt. Basis hierfür ist eine ausgezeichnete Leistungsbilanz, wo ihr ähnlich wie in der gesamten Legislaturperiode 78 Prozent eher gute und nur 18 Prozent eher schlechte Arbeit bescheinigen. Zwar würden von einem Kanzler Steinmeier in der Sache 58 Prozent nicht viel anderes erwarten, und auch beim Eigenschaftsvergleich sieht die Mehrheit der Bürger oft keinen Unterschied. Doch im Detail gilt dann die Kanzlerin als glaubwürdiger und sympathischer, als weitaus durchsetzungsfähiger sowie als diejenige, die Deutschland besser aus der Krise führen kann.

Die Sachfragen - Arbeitslosigkeit Bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, eindeutig größtes Problem für die Deutschen, vertrauen nach 41 Prozent 2005 jetzt noch 29 Prozent auf die CDU/CSU, unverändert 21 Prozent nennen die SPD. Kompetenzeinbußen gibt es für die Union auch in den Bereichen Bildung und Steuern, wo immer mehr Bürger bei überhaupt keiner Partei Sachverstand sehen. Stärkste Partei wird die Linke bei arbeitslosen Wählern mit 32 Prozent.

Wie haben Jung und Alt gewählt? Die zentrale Stütze des Wahlsieges der CDU/CSU sind einmal mehr die Über-60-Jährigen: Hier holt die Union 40 Prozent. Auch die SPD erzielt mit 30 Prozent bei den Über-60-Jährigen ihr bestes Ergebnis. Bei den Unter-30-Jährigen hat sie mit minus 17 Prozentpunkten dramatische Einbußen, kommt noch auf 17 Prozent und liegt auf einem Niveau mit der FDP. Die Grünen sind bei den Unter-30-Jährigen mit 15 Prozent (plus vier) ebenfalls stark, die Linke holt in den Altersgruppen bei den 45- bis 59-Jährigen mit 14 Prozent ihr bestes Ergebnis.

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(RP)