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CDU/CSU Kanzler-Frage in der Union: Laschet und Söder halten sich beide als Kandidaten tauglich

K-Frage in der Union : Laschet und Söder - sie sind beide bereit

Die Vorsitzenden von CDU und CSU - Armin Laschet und Markus Söder - sind beide zur Übernahme der Kanzlerkandidatur für die Union bereit. Das teilten sie übereinstimmend am Rande der Klausur der Spitze der Unions-Bundestagsfraktion in Berlin mit.

„Wir sind nicht Helmut Kohl und Franz Josef Strauß. Schon optisch nicht. Auch inhaltlich nicht. Wir haben keine Grundsatzstreitigkeiten.“ Das sagte Markus Söder nach der Ankündigung. Laschet sagte, er und Söder hätten ein langes Gespräch miteinander geführt. „Wir haben unsere Bereitschaft erklärt, für die Kanzlerkandidatur anzutreten“, berichtete Laschet. Er betonte: „Unser Ziel ist es, in dieser Lage, in der das Land ist, mit einer Kanzlerin, die aus dem Amt geht, so viel Einigkeit wie möglich zwischen CDU und CSU zu leisten, denn es geht um viel.“

Söder sagte, er habe mit Laschet ein offenes und freundschaftliches Gespräch geführt - das aber noch nicht abschließend gewesen sei. „Wir haben festgestellt, dass beide geeignet und beide bereit sind.“ Auch er selbst habe seine Bereitschaft zur Kandidatur erklärt. Wenn die CDU als große Schwester dies breit unterstütze, sei er bereit, diesen Schritt zu gehen, sagte Söder. „Ich bin bereit zu dieser Kandidatur.“ Wenn die CDU aber eine andere Entscheidung treffe, werde man dies akzeptieren. Und man werde weiterhin sehr gut zusammenarbeiten.

Laschet sagte, es gebe zwei potenzielle Kandidaten. Man habe sich gegenseitig attestiert, „dass wir es beide könnten“. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident wurde weiter mit den Worten zitiert: „Die SPD hat keinen, der es kann - wir haben zwei“. Er und Söder seien sich der Verantwortung bewusst. Ein großer Konflikt in dieser Frage würde die Union beschädigen. Daher solle die Frage so schnell wie möglich gelöst werden.

Der CDU-Chef betonte nach diesen Angaben, man müsse die Aufgaben, die vor der Union lägen, bei der Fraktion und der Partei zusammenführen. Man müsse eine Menge guter Ideen zusammenbringen für die Zukunft des Landes. Eine wichtige Frage für die Zukunft Deutschlands sei auch, wie man gute Arbeitsplätze im Land halte. Darüber werde auch im Wahlkampf entschieden.

Kanzlerin Angela Merkel hatte die Klausur der Spitze der Unionsfraktion vor dem Auftritt von Laschet und Söder verlassen. Das berichteten mehrere Sitzungsteilnehmer übereinstimmend.

Zuvor hatte sich Merkel nach Angaben aus Teilnehmerkreisen hinter den umstrittenen Vorstoß des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Laschet für einen „Brücken-Lockdown“ gegen die dritte Corona-Welle gestellt. Das exponentielle Wachstum der Corona-Infektionen müsse gebrochen werden. Laschet habe dies mit der Idee des Brücken-Lockdowns beschrieben. Die Kanzlerin wurde von den Teilnehmern mit den Worten zitiert: „Es geht um eine Brücke zu mehr Normalität. Die Brücke soll kurz sein.“

Merkel relativierte nach diesen Informationen ausdrücklich auch die Kritik, die sind kürzlich in der ARD-Talkshow Anne Will unter anderem an Laschets Vorgehen gegen die Pandemie in Nordrhein-Westfalen geäußert hatte. Sie habe sich über die Länder geärgert, wurde die Kanzlerin aus der Klausur heraus zitiert. Viele seien vom vorherigen Beschluss der Ministerpräsidentenrunde abgewichen. NRW sei wenn überhaupt nur minimal abgewichen, andere seien hier weiter gegangen. Bayern sei inzwischen sogar noch deutlicher abgewichen. Leider habe es in der Öffentlichkeit Armin Laschet härter erwischt als andere, wurde Merkel von den Teilnehmerkreisen zitiert. Dabei hätten sich andere weniger an die Absprachen gehalten.

Reaktion von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) hat sich in der Diskussion über die Kanzlerkandidatur der Union gegen eine Entscheidung in der Fraktion gestellt. Dies wäre ein großer Fehler, sagte Schäuble nach Angaben von Teilnehmerkreisen am Sonntag bei der Klausur der Spitze der Unionsfraktion in Berlin. Er erinnere sich an die Entscheidung in der Unionsfraktion zugunsten des damaligen CSU-Chefs Franz Josef Strauß im Jahr 1979 und die schweren Wunden, die dies hinterlassen habe. Eine schnelle Einigung der Parteien wäre gut, machte Schäuble demnach zugleich deutlich.

Nachdem 1979 bei der Suche nach einem Unions-Kanzlerkandidaten Vermittlungsversuche auf mehreren Ebenen gescheitert waren, wählte die Unionsfraktion den damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Strauß zum Kanzlerkandidaten - gegen Niedersachsens CDU-Regierungschef Ernst Albrecht. In der Bevölkerung gab es im Wahlkampf starke Befürworter der Kandidatur von Strauß - und ebenso vehemente Widersacher. Am Ende verlor die Union die Bundestagswahl 1980 gegen den seit 1974 amtierenden SPD-Kanzler Helmut Schmidt.

(felt/dpa)