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BTW21: Zittern am Abend und großer Frust bei der Linken

Schwaches Ergebnis bei Bundestagswahl 2021 : Zittern am Abend und großer Frust bei der Linken

Für die Linke ist das Wahlergebnis gleich in zweierlei Hinsicht eine bittere Enttäuschung: Im Bundestag schrumpft sie deutlich - falls sie den Wiedereinzug überhaupt schafft. Und eine Hoffnung hat sich komplett zerschlagen.

Dass die Zahlen bei der Linken keine Jubelstürme auslösen würden, war vorher klar. Aber dass der Absturz so heftig ausfallen würde? „Nee, das hätte ich nicht gedacht. Das ist ein desaströses Ergebnis“, sagte Linken-Urgestein Gregor Gysi am Abend auf der Wahlparty der Linken in Berlin-Kreuzberg - obwohl von Party keine Rede sein kann. Wein wurde zwar getrunken, aber aus Frust.

Drastisch beschrieb es der Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion, Jan Korte: „Das ist in jeder Hinsicht beschissen. Das ist ein katastrophales Ergebnis“, sagte Korte im ZDF. Er hoffe, dass die Linke über die Fünf-Prozent-Hürde komme. Die Hoffnung sterbe als letztes.

Absturz von 9,2 auf 5 Prozent, es wurde ein Zitterabend. Ob der Wiedereinzug in den Bundestag gelingen würde, blieb zunächst unklar. Spitzenkandidat Dietmar Bartsch musste viel Kraft in seine Stimme legen, um Optimismus bei den Anwesenden zu wecken: „Guckt mich nicht so böse an, wir schaffen das!“ Ja, man werde über die fünf Prozent kommen, gar keine Frage und man werde auch mehr als drei Direktmandate gewinnen, auch keine Frage.

Gewinnt eine Partei drei oder mehr Direktmandate greift die sogenannte Grundmandatsklausel. Das heißt, sie bekommt auch bei einem Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde gemäß ihrem Zweitstimmenanteil Sitze im Bundestag. Vorab wurde es als wahrscheinlich eingeschätzt, dass die Linke wieder mehrere Direktmandate holt.

Klar ist: Der große Traum der Partei- und Fraktionsspitze, diesmal vielleicht zum ersten Mal auch bei der Regierungsbildung im Bund mitzumischen und vielleicht in einer Rot-Grün-Roten Bundesregierung mit am Tisch zu sitzen, dürfte geplatzt sein. Dafür reichen die Stimmen von SPD, Grünen und Linken zusammen nicht. „Unser Platz im Deutschen Bundestag wird die Opposition sein“, sagte Bartsch.

Kommentar von Chefredakteur Moritz Döbler zur Bundestagswahl 2021

Nun geht die Ursachensuche los. Hat die Linke Stimmen eingebüßt, weil Wähler in der entscheidenden Frage „Laschet oder Scholz?“ lieber der SPD ihre Stimme gegeben haben? Lag es am Dauerstreit innerhalb der Linken über den richtigen Kurs der Partei, der erst vor dem Sommer so einigermaßen in einer Art Waffenstillstand zur Ruhe kam?

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Im Frühjahr hatte Sahra Wagenknecht mit ihrem Buch „Die Selbstgerechten“ die eigene Partei erneut aufgewühlt. In dem Bestseller wirft sie linken Parteien vor, mit Gender-, Klima- und Bio-Essen-Debatten ihre Kern-Wähler zu verprellen. Das hatte heftige parteiinterne Diskussionen ausgelöst.

Die Diskussionen über den richtigen Kurs und die Frage, wofür die Linke eigentlich steht und wofür sie gebraucht wird, dürften jetzt wieder hochkochen. Die Parteichefinnen Susanne Hennig-Wellsow und Janine Wissler beschworen zunächst einmal den Zusammenhalt, man gewinne gemeinsam und verliere gemeinsam. „Wir wissen, dass wir uns neu erfinden müssen“, sagte Hennig-Wellsow. Ein nachdenklicher Gregor Gysi bilanzierte: „Wir sollten kritisch über uns und unsere Zukunft nachdenken.“

(felt/dpa)