Jüngster Bundestagskandidat aus der Region: Aus der Schülervertretung in den Bundestag

Jüngster Bundestagskandidat aus der Region : Aus der Schülervertretung in den Bundestag

Vor einem Jahr hat Diyar Agu noch den Abiball für seinen Abschlussjahrgang geplant, jetzt ist er im Endspurt für den Wahlkampf: Der 18-Jährige kandidiert für die Linkspartei für den Bundestag und sagt: "Es kommt nicht aufs Alter an, sondern darauf, dass man Ziele und Wünsche hat."

Wenn es nach Diyar Agu ginge, wäre Gregor Gysi der nächste Bundeskanzler und Sahra Wagenknecht die nächste Finanzministerin. Könnte er sich den Wahlausgang am 24. September wünschen, bekäme die Linkspartei die absolute Mehrheit - denn als Juniorpartner in einer Koalition könne man schließlich nicht viel reißen, sagt Agu.

Der gebürtige Gummersbacher geht immer aufs Ganze: auch mit seiner Kandidatur für den Bundestag. Agu ist erst vor wenigen Tagen 18 geworden - damit ist er der jüngste Direktkandidat für den Bundestag aus der Region. Er kandidiert für den Oberbergischen Kreis. In diesem Jahr hat er Abitur gemacht mit einer Durchschnittsnote von 1,5. Für seine guten Noten und für sein Engagement in der Schülervertretung gewann er einen Preis, der mit 5000 Euro dotiert ist.

Vor einem Jahr plante er noch den Abiball für seine Jahrgangsstufe, jetzt arbeitet er am Einzug in den Bundestag. Agus Ziel ist es, den Wahlkreis direkt zu gewinnen. 2013 gewann den Wahlkreis Klaus-Peter Flosbach von der CDU - mit mehr als 50 Prozent. Wenn Agu den Wahlkreis nicht direkt gewinnt, könnte er immer noch über die Liste der NRW-Linken einziehen. Dort steht er auf Listenplatz 24. Das wird aller Voraussicht nach nicht reichen. Bei der Wahl 2013 schafften es zehn Kandidaten der Linkspartei über die NRW-Liste in den Bundestag.

Einen Tag vor dem Nominierungsparteitag der Linken im vergangenen Jahr hat er sich entschlossen, sich für die Bundestagswahl als Kandidat aufstellen zu lassen. "In der Nacht habe ich eine Rede geschrieben, die ich dann auf dem Parteitag vorgetragen habe - und wurde prompt gewählt", erzählt Agu. Allerdings war Agu damals kein Neuling für seine Parteikollegen. Mit 16 war er bereits Sprecher der Gummersbacher Linken. 2015 hatte er ein Schülerpraktikum bei der linken Ratsfraktion im Rathaus gemacht und danach entschieden, in die Partei einzutreten. 2016 machte er dann ein Praktikum im Bundestag bei Petra Pau, Bundestagsvizepräsidentin. "Ab dann stand fest - ich möchte auch Bundestagsabgeordneter werden", sagt Agu.

Niemand hätte Bedenken gehabt, ihn aufzustellen, weil er so jung sei. Besonders junge Menschen unterstützen ihn. Aber auch Ältere zeigen vor allem Respekt, sagt er. Letztens habe ihm ein pensionierter Polizeibeamter einen Brief geschrieben: "Junge, mach weiter so." Überheblichkeit erlebe er - auch von seinen Mitbewerbern - fast nie.

"Es kommt nicht auf das Alter an, sondern darauf, dass man Wünsche und Ziele hat", sagt Agu im Gespräch mit unserer Redaktion. Und Agu will die Welt verbessern. Er will gegen den Hunger in der Welt kämpfen und sagt markante Sätze wie "Jedes Kind, das verhungert, wird in meinen Augen getötet." Agu will sich für fairen Handel mit Afrika einsetzen, er will etwas gegen Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa tun und er will einen flächendeckenden Mindestlohn von zwölf Euro einführen, so wie es im Parteiprogramm der Linken steht.

Der Wahlkampf sei anstrengend, fast jeden Tag habe er einen Termin. Aber gegenüber seinen Mitbewerbern wähnt er sich im Vorteil: Er wohnt nämlich noch zu Hause bei seinen Eltern in Gummersbach und hat keinen Beruf, von dem er sich für den Wahlkampf beurlauben lassen müsste. Agus Eltern sind Kurden und kamen vor vielen Jahren nach Deutschland, Agu hat zwei ältere Schwestern, die studieren. Und auch er will ab dem Wintersemester in Aachen Wirtschaftsingenieurwesen studieren.

Studieren will Agu auf jeden Fall: "Ich brauche eine Berufsausbildung - egal, ob ich in den Bundestag komme oder nicht." Weil der Wahlkampf so viel Zeit frisst, hat er aber nicht mal Zeit gehabt, sich um eine Studentenbude zu kümmern. Was er am 25. September macht, weiß Agu noch nicht. Wahrscheinlich will er sich erstmal erholen. Wenn er nicht in den Bundestag kommt, will Agu ein Start-up gründen. "Ich wollte immer Erfinder sein", erzählt er. Mit Energiegewinnung will er sich beschäftigen - damit kann man auch etwas verändern. Vielleicht versucht er es auch nochmal mit dem Bundestag - er ist ja noch jung.

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(heif)
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