Die Bundeskanzlerin im Porträt: Angela Merkel — zäh und in Europa gefürchtet

Die Bundeskanzlerin im Porträt : Angela Merkel — zäh und in Europa gefürchtet

Seit acht Jahren ist Angela Merkel nun schon Bundeskanzlerin Deutschlands. Für sie ist 2013 ein guter Zeitpunkt, nochmal vier Jahre dranzuhängen. Denn die CDU-Vorsitzende gilt als mächtigste Frau der Welt, gerade aufgrund ihres Agierens in der Euro-Krise. An diesem Image gekratzt hat in den vergangenen Wochen aber dennoch etwas: die NSA-Affäre.

Angela Merkel ist zäh. Sie verhandelt nicht nur in Brüssel 27 Stunden nonstop über die Rettung des Euro oder reist in drei Tagen um die halbe Welt. Die Kanzlerin hält auch wochenlange Kritik aus, ohne aus der Deckung zu gehen — wie zuletzt in der US-Spähaffäre zu beobachten.

Sie empfindet ihre Arbeit dennoch als schön und inspirierend, weil sie immer wieder neue Probleme hat. Genau so beschrieb sie vor einiger Zeit ihre Motivation für ihr hohes Amt. Man kann ihr das glauben. Etwas kühl und keck zugleich fügte sie noch hinzu: "Wer das nicht aushält, der kann nicht Bundeskanzler sein."

Manch einer sah darin einen Seitenhieb gegen SPD-Herausforderer Peer Steinbrück, der während einer Veranstaltung mit seiner Frau für einen Moment die Fassung verlor, als es um die Belastung und Kritik an ihm als Kanzlerkandidat ging. Merkel kommen keine Tränen, zumindest nicht öffentlich. Einmal habe sie im Amt geweint — als Ministerin unter Helmut Kohl, erzählt sie. Das ist 20 Jahre her.

Verunglimpfung in den Krisenländern

Das Kanzlerin-Dasein hält Merkel jetzt schon seit acht Jahren aus, und sie möchte weitermachen. Die 59-Jährige will diese dritte Amtszeit unbedingt. Sie ist mächtig wie wohl kaum eine andere auf der Welt, vernetzt wie nie zuvor und gestählt durch die Eurokrise. So wurde sie auch gern als "Teflon"-Kanzlerin bezeichnet, weil vieles an ihr abgleitet.

Bis zur Affäre um die millionenfache Überwachung deutscher Daten durch den amerikanischen Geheimdienst NSA schien ihr auch nichts und niemand so richtig etwas anhaben zu können. Nun aber wird deutlich, dass auch Merkel Grenzen hat beziehungsweise, dass ihr Grenzen gesetzt werden. Nämlich vom mächtigsten Mann der Welt: US-Präsident Barack Obama. Er ließ sie erst einmal abblitzen, als sie von den USA die Zusage verlangte, sich bei Datensammlungen auf deutschem Boden an deutsches Recht zu halten.

In Umfragen in den Wochen vor der Wahl lag Merkel mit der Union deutlich vorn und persönlich mit weitem Abstand vor Steinbrück. Die Deutschen vertrauen ihr den Analysen zufolge vor allem, weil sie das Gefühl haben, dass Merkel die Eurokrise mit ihrem Spardruck auf die schwächeren Länder meistern kann. Der Preis ist, dass sie dafür im Ausland mit Nazi-Uniform und Hitler-Bärtchen verunglimpft wird, Deutsche im Ausland zunehmend auf Skepsis stoßen und der Respekt beziehungsweise die Angst vor Deutschland zwar steigt, aber das Ansehen sinkt.

Naturwissenchaftlerin und Tochter eines Pfarrers

Merkel gilt als ein Phänomen in der Politik der deutschen Nachkriegsgeschichte. Geboren in Hamburg, Tochter eines Pfarrers, in der DDR aufgewachsen, mit der Wende als Naturwissenschaftlerin in die Politik gekommen, in den Augen vieler CDU-Männer als Übergangskandidatin CDU-Chefin geworden und — geblieben.

Sie war nicht nur in der Schule oft Erste und Beste, sie ist auch die erste Frau an der Spitze der Christdemokraten, deren Frauenanteil bei 25 Prozent liegt. Und sie ist die erste deutsche Bundeskanzlerin. 1999 war sie es, die als damalige CDU-Generalsekretärin wegen der Spendenaffäre der Partei die Abkehr vom CDU-Übervater Kohl nahelegte. Die CDU folgte ihr und machte sie 2000 zur Chefin. Im Dezember 2012 wurde sie mit fast 98 Prozent — ihrem bisher besten Ergebnis — zum sechsten Mal wiedergewählt.

Wenn CDU-Anhänger wie Konkurrenten übrigens den Kern des Wahlprogramms der Union für die Bundestagswahl benennen sollen, fallen vielen von ihnen zunächst zweite Worte ein: Angela Merkel.

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(dpa/das)
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