Andrea Nahles (SPD) rudert nach "In die Fresse"-Spruch zurück

Neue SPD-Fraktionschefin : So erklärt Andrea Nahles ihren "In die Fresse"-Spruch

Andrea Nahles: SPD wählt sie zur neuen Fraktionsvorsitzenden

Kaum ist Andrea Nahles neue SPD-Fraktionschefin, entfacht sie mit ihrem "In die Fresse"-Spruch in Richtung Union eine hitzige Debatte im Netz. Ein CDU-Politiker wirft ihr "Hinterhof-Jargon" vor. Doch Nahles sagt, sie habe nur gescherzt.

Andrea Nahles war am Mittwoch gerade zur neuen SPD-Fraktionsvorsitzenden gewählt worden, da sagte sie, nun bekämen die bisherigen Regierungspartner von der Union "in die Fresse". Nun debattieren Twitter-Nutzer unter dem Hashtag #IndieFresse, ob Nahles jeglichen Anstand verloren oder einfach nur einen Witz gemacht hat.

Da interessiert auch Nahles' Erklärung wenig, der Spruch sei lustig gemeint gewesen: "Ich hab am Rande des Kabinettes einen Spruch gemacht und die Kolleginnen und Kollegen der CDU/CSU haben darüber gelacht. Also, ich glaube, das ist klar als Scherz erkennbar", sagte sie am Mittwochabend in den ARD-Tagesthemen. Nahles ist für ihre bisweilen saloppe Sprache bekannt - dem "In die Fresse"-Spruch hatte sie ein lautes Lachen folgen lassen.

Manche Nutzer fanden den Satz trotzdem nicht witzig. Einige zogen Parallelen zu der umstrittenen Aussage des AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland, der nach der Bundestagswahl angekündigt hatte, seine Partei werde Kanzlerin Angela Merkel und die Regierung nun jagen. Andere beklagten, Nahles' Stil - ein Wettbewerb um das niedrigste Niveau - treibe Menschen von der Politik weg. Sie nähere sich so dem Niveau von US-Präsident Donald Trump oder dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan an.

Ein anderer gab zu bedenken, ob Nahles' Erklärung, ihr Spruch sei ein Scherz gewesen, nun tatsächlich ernst zu nehmen sei. Wieder andere aber ärgerten sich über die Aufregung. Schließlich sei doch klar erkennbar gewesen: Nahles habe nur gescherzt.

Nicht lustig findet Nahles' Aussage auch der parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Grosse-Brömer. Der CDU-Politiker kritisierte Nahles für ihre derbe Äußerung: "Wenn Frau Nahles mit diesem üblen Hinterhof-Jargon weitermacht, wird die SPD bald deutlich unter 20 Prozent rutschen", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Wir als Union werden uns einer drohenden Verrohung der Sitten im Bundestag klar entgegenstellen."

Mit ihrer Wahl zur Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion will Andrea Nahles keinen Linksruck verbunden sehen. "Mehr von der einen oder anderen Himmelsrichtung, ich glaube, das ist nicht die Antwort für unser Land und das ist auch nicht die Antwort für meine Partei", sagte sie am Mittwochabend. Eine zukünftige Machtoption mit der Linkspartei schloss sie letztlich nicht aus. "Wir sind gesprächsbereit." Die SPD müsse aber nun zunächst das Ergebnis der Bundestagswahl verarbeiten und Konsequenzen daraus ziehen.

Positiv blickte die bisherige Arbeitsministerin und Parteilinke auf die Zusammenarbeit mit Martin Schulz, der nach dem schlechtesten Nachkriegsergebnis bei einer Bundestagswahl SPD-Parteichef bleibt. "Jeder von uns hat eine enorm große Aufgabe vor der Brust. Ich im Parlament mit der Fraktion, er in der Partei", sagte Nahles. "Und gerade weil wir einen anderen Teamgeist auch etablieren werden, und das haben wir auch schon angefangen, in den letzten Tagen zu realisieren, wird es eben auch doppelte Kraft sein, und das ist genau das Richtige und das ist das, was wir jetzt brauchen."

Der frühere Chef der SPD, Franz Müntefering, bemängelte nach dem Wahldebakel die Entscheidung, Partei- und Fraktionsvorsitz zu trennen. "Die Oppositionsstrategie muss an einer Stelle verantwortet werden und eindeutig sein", sagte Müntefering der "Passauer Neuen Presse". "Bei zwei Zentren ist es komplizierter."

(oko)
Mehr von RP ONLINE