Alice Weidel: AfD-Spitzenkandidatin sorgt bei ZDF-Wahlsendung für Eklat

AfD-Spitzenkandidatin verlässt Studio : Alice Weidel sorgt bei ZDF-Wahlsendung für Eklat

Die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel hat am Dienstagabend die ZDF-Wahlsendung "Wie geht's, Deutschland?" nach einem Schlagabtausch mit CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer vorzeitig verlassen.

Nachdem Andreas Scheuer sie zuvor in der Debatte aufgefordert hatte, sich vom Co-Spitzenkandidaten Alexander Gauland und dem thüringischen AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke zu distanzieren, verließ die 38-Jährige kopfschüttelnd die Runde.

Der CSU-Generalsekretär hatte Höcke, der zum rechten AfD-Flügel gehört, als "Rechtsradikalen" bezeichnet, woraufhin Weidel die Runde verließ. Gegen Höcke läuft wegen mutmaßlicher Nähe zur NS-Ideologie ein Parteiausschlussverfahren.

In einer Rede hatte er im Januar eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" gefordert und unter Anspielung auf das Berliner Holocaust-Mahnmal von einem "Denkmal der Schande" gesprochen. Gauland habe Höcke als "Seele der AfD" bezeichnet, "für mich ist er einfach ein Rechtsradikaler", sagte Scheuer.

Die AfD warf ZDF-Moderatorin Marietta Slomka anschließend in einer Erklärung Parteilichkeit vor. Der bekannte Medienwissenschaftler Jo Groebel bezeichnete den Ausstieg Weidels aus der Sendung dagegen als Wahlkampftaktik. Der "Eklat" sei "besonders während des Wahlkampfs ein naheliegendes Mittel, Aufmerksamkeit, Schlagzeilen, Emotionen und gegebenenfalls auch die Bestätigung von Opferrolle und 'Ausgrenzung' durch die 'Etablierten' zu bekommen. Das polarisiert und festigt die eigenen Reihen und Anhänger", sagte Groebel der "Heilbronner Stimme".

ZDF-Chefredakteur Peter Frey verteidigte am Mittwochmorgen die Moderation von Marietta Slomka. Eine Livesendung zu verlassen, bringe zwar Aufmerksamkeit, verhindere aber eine politische Auseinandersetzung in der Sache. "Marietta Slomka hat die Runde mit sieben Politikern und sechs Bürgern fair und gelassen moderiert. Ich hoffe, dass bei künftigen Wahlformaten nicht Inszenierungen, sondern der politische Streit im Mittelpunkt steht", teilt Frey mit.

Hier lesen Sie Reaktionen auf den Abgang von Alice Weidel.

(mro)
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