Bundestag: Ostfriese zerpflückt AfD-Antrag zur deutschen Sprache

Bundestagsrede auf Plattdeutsch: Ostfriese zerpflückt AfD-Antrag zur deutschen Sprache

SPD-Abgeordneter beantwortet AfD-Anfrage auf Plattdeutsch

Die AfD meint, die deutsche Sprache sei in Gefahr. Politiker anderer Parteien reagieren darauf mit Hohn und Spott. Vor allem ein Ostfriese nimmt den Antrag der AfD auseinander - aber nicht auf Hochdeutsch, sondern auf Platt.

Vermutlich ist im Bundestag selten so viel gelacht worden.

Die AfD ist damit gescheitert, Deutsch als Landessprache im Grundgesetz zu verankern. Sie hatte vorgeschlagen, dass in Artikel 22 folgender Satz eingefügt wird: "Die Landessprache in der Bundesrepublik Deutschland ist Deutsch." Die Ergänzung ermögliche "Maßnahmen gegen ihre Verdrängung ebenso wie zur Durchsetzung ihrer prioritären Position gegenüber anderen Sprachen", schrieb die Partei in ihrem Antrag.

"Das ist keine irre Idee der AfD", sagte der AfD-Abgeordnete Stephan Brandner. Das Deutsche sei durch einen "um sich greifenden Englisch-Wahn" bedroht sowie durch "massive Zuwanderung". Einige Behörden seien inzwischen sogar dazu übergegangen, Informationen teilweise auch in arabischer oder türkischer Sprache zu verbreiten. Vermutlich spielte er damit auf die Polizei Köln an, die einen Hinweis nicht nur in Deutsch, sondern zusätzlich auch in anderen Sprachen veröffentlicht hatte.

"Mal wieder Stuss zusammengefrickelt"

Politiker anderer Parteien reagierten genervt oder belustigt auf den Vorschlag. Der FDP-Abgeordnete Stephan Thomae fragte: "Wie lange wollen Sie eigentlich die Geduld dieses Hauses missbrauchen mit Ihren deutschtümelnden Anträgen?" Die CDU-Abgeordnete Gitta Connemann kritisierte die Sprache der AfD-Anträge. Diese seien voller Fremdwörter und unschöner "Bandwurmsätze". Im Internet verbreite die AfD ihr Parteiprogramm zudem auf Russisch.

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Der SPD-Politiker Mahmut Özdemir sagte, in seiner niederrheinischen Heimat würde man zu dem Vorstoß der AfD wohl sagen: "Da haben die Schwadroneure mal wieder Stuss zusammengefrickelt."

Sein Parteikollege Johann Saathoff machte sich ebenfalls darüber lustig, dass die AfD die deutsche Sprache schützen wolle, aber mit Fremdwörtern um sich werfe. "Herr Brandner wünscht uns Mut zur Courage", zitierte Saathoff den AfD-Abgeordneten. "Ich übersetze das mal nicht. Ich wünsche uns die Courage, anderern Sprachen mit Respekt zu begegnen." Courage ist ein Fremdwort aus dem Französischen.

Vor allem erinnerte Saathoff daran, dass in Deutschland nicht nur Hochdeutsch gesprochen wird. "Die Vielfalt der Sprachen aus den Regionen macht den Wert der deutschen Sprache aus", sagte der Ostfriese und wechselte während seiner Rede mehrmals ins Plattdeutsche - "meine Muttersprache".

Schließlich bat ihn Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble darauf zu achten, "dass wir Sie verstehen". Für die Antragsteller sei es aber egal, ob er Hochdeutsch, Platt oder Kisuaheli spreche, entgegnete Saathoff. "Hören und Verstehen sind zwei verschiedene Dinge." Am Ende entschuldigte er sich beim stenografischen Dienst - dieser dürfte weite Teile der Rede nicht verstanden haben.

(wer)