Bundestag: Landwirt beschwert sich über das Menü in der Kantine

Was dahinter steckt : Landwirt beschwert sich über Menü in Bundestagskantine

Ein Landwirt aus Schleswig Holstein wirft der Bundespolitik „Scheinheiligkeit“ vor. Auslöser ist das Wochenmenü der Kantine der Abgeordneten.

Trauen die Bundestagsabgeordneten den Erzeugnissen aus deutscher Landwirtschaft nicht? Das fragt sich ein Landwirt aus Schleswig-Holstein auf Facebook. Der Grund für die Aufregung: ein Foto von der Speisekarte des Bundestagsrestaurants. Für die Abgeordneten gibt es Ente aus Frankreich, Pfifferlinge aus Polen, Lachs aus Norwegen und Rinderhüfte aus Argentinien – nur kein Erzeugnis aus Deutschland.

Die rheinland-pfälzische Abgeordnete Carina Konrad, die für die FDP im Bundestag sitzt, postete vor einigen Tagen das Foto des Menüs auf ihrem Facebook-Account. „Gebratene Lammkoteletts“, „Tagliatelle in Pfifferlingrahmsauce“ und „Gegrillte Rinderhüftsteaks“ werden auf der Wochenkarte angeboten. „Wenn nicht einmal in den Restaurants des Deutschen Bundestages Wert darauf gelegt wird, Produkte von Erzeugern vor Ort zu beziehen, ist das ein echtes Armutszeugnis“, schreibt die Politikerin dazu. „Sollte nicht gerade im Bundestag regional eingekauft werden, um die deutsche Landwirtschaft zu stärken?“ Auf Facebook erhielt die Politikerin, die seit 2017 Mitglied des Bundestages ist, viel Zuspruch.

Auch ein Landwirt reagierte auf den Beitrag. Thomas Andresen ließ seinem Ärger über diesen Umstand in einem Facebook-Video freien Lauf. „Ist den Herren und Damen Bundestagsabgeordneten unser Fleisch nicht gut genug?“, fragt er. „Trauen sie vielleicht ihren eigenen Gesetzen nicht, die sie uns jeden Tag um die Ohren hauen, mit denen sie uns traktieren und in die Knie zwingen, damit wir nachhaltiger wirtschaften.“

Andresen, der in seinem landwirtschaftlichen Betrieb „Hof Barslund“ unter anderem Schweine, Rinder und Wasserbüffel hält und auch deren Fleisch verkauft, wendet sich auch direkt an den Bundestag: „Der Kunde ist König und wir machen, was ihr da draußen wollt. Aber verdammt nochmal, dann unterstützt uns gefälligst auch.“ Wenn die Abgeordneten das nicht könnten, wie solle man das von den „normalen Bürgern“ erwarten, sagt er. Vielleicht könne ihn ja jemand erhellen, warum außer der Kartoffel auf den Tellern der Bundestagsabgeordneten deutsche Landwirtschaft nicht stattfindet.

Sein Schlussappell: Die Verantwortlichen sollen Kontakt zu deutschen Bauern aufzunehmen und zumindest in der Bundestagskantine heimische Landwirtschaft unterstützen. „Alles andere ist scheinheilig und heuchlerisch.“

Andresen erhielt viel Zuspruch, das Video wurde bis Mittwochvormittag knapp 17.000 mal geteilt. Auch die Abgeordnete Carina Konrad reagierte auf Andresens Video. Es mangele bei vielen an Sensibilität, Wissen und Weitblick bei der Umsetzung und wenn es darum gehe, „vor allem vor der eigenen Haustüre zu kehren“, schrieb Konrad. „Ich habe nun mehrere Briefe geschrieben, unter anderem an den Bundestagspräsidenten, um diesen Missstand zu ändern.“

(anst)
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