Gesundheit Auch NRW stellt Heilpraktiker-Beruf auf den Prüfstand

Berlin/Düsseldorf · Heilpraktiker sollen künftig strenger kontrolliert werden. Sowohl auf Bundes- wie auch auf Landesebene will die Politik die Patienten besser schützen.

Bundesregierung prüft Abschaffung von Heilpraktikern
Foto: dpa/Federico Gambarini

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) will Patienten vor unsachgemäßen Heilpraktiker-Behandlungen schützen und bereitet ein Rechtsgutachten über mögliche Gesetzesänderungen vor. „Das BMG plant aktuell, ein Rechtsgutachten zum Heilpraktikerrecht als Grundlage möglicher Handlungsoptionen in Auftrag zu geben“, sagte ein Sprecher auf Anfrage und bestätigte damit erste Berichte des ARD-Magazins „Panorama“ und des Onlinemagazins „Med-Watch“.

Eine Option, die in dem Gutachten juristisch bewertet werden soll, ist auch eine mögliche Abschaffung des Heilpraktiker-Berufes. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte unserer Redaktion dazu: „Das Heilpraktikergesetz ist Bundesrecht und stammt aus dem Jahr 1939. Es entspricht nicht den Anforderungen an eine Tätigkeit mit umfassenden heilkundlichen Befugnissen und direktem Patientenzugang.“ Insofern sei es richtig, dass das Bundesgesundheitsministerium dazu ein Gutachten in Auftrag gegeben habe.

Nach derzeitiger Rechtslage müssen Heilpraktiker keine einheitlich geregelte Ausbildung absolvieren. Der Nutzen vieler heilpraktischer Techniken ist umstritten. Allerdings wenden sich nach Angaben des BMG auch viele Menschen aktiv an das Ministerium, die auf Heilpraktiker vertrauen und sich für den Berufsstand einsetzen wollen.

Die NRW-Landesregierung erarbeitet derzeit Eckpunkte für ein Landesheilpraktikergesetz. „Ziel ist es, insbesondere das Verfahren der Kenntnisüberprüfung für Heilpraktikeranwärterinnen und -anwärter stärker zu vereinheitlichen“, so Laumann. Ein zentrales Register soll zudem künftig die Überwachung der Tätigkeiten von Heilpraktikern verbessern.

Ursula Hilpert-Mühlig, Präsidentin des Fachverbandes Deutscher Heilpraktiker, sagt: „Ich sehe es als legitim an, ein solches Rechtsgutachten in Auftrag zu geben.“ Schon das Alter des derzeitigen Heilpraktikergesetzes lege den Bedarf an Klärung der Rechtslage nahe. Das Gutachten werde sich aber auch mit möglichen Weiterentwicklungen des Berufsstandes befassen. „Man sollte in den Auftrag für das Gutachten deshalb keine einseitige Bedrohung für die Profession des Heilpraktikers hineininterpretieren“, so die Heilpraktiker-Präsidentin.

Das BMG weist darauf hin, dass die Überprüfung von Heilpraktikeranwärtern schon seit März 2018 aufgrund neuer Leitlinien erfolgt. „Das BMG hat allerdings wahrgenommen, dass diese Maßnahmen teilweise als nicht ausreichend angesehen werden“, so der Sprecher. Nach früheren Angaben der Bundesregierung haben 2016 bundesweit etwa 43.000 Menschen in der Heilkunde gearbeitet.

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