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Treffen der Ministerpräsidenten im Kanzleramt: Bund und Länder ringen um Energiewende

Treffen der Ministerpräsidenten im Kanzleramt : Bund und Länder ringen um Energiewende

Berlin (RPO). Bund und Länder ringen um einen Konsens für eine Energiewende, mit der Milliardenkosten auf die Bürger zukommen könnten. Im Kanzleramt wurden die Vertreter aller Bundesländer zu Beratungen über einen rascheren Ausbau der erneuerbaren Energien als Ersatz für die Atomenergie empfangen.

Die SPD zeigte sich zwar kompromissbereit, stellte aber Bedingungen. So sollten die acht derzeit abgeschalteten Reaktoren nie wieder ans Netz. Wie teuer die geplante Energiewende für Bürger und Unternehmen wird, ist offen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sprach im Deutschlandfunk von einer bis zwei Milliarden Euro pro Jahr. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete dagegen über regierungsinterne Berechnungen, die von drei Milliarden Euro ausgingen.

Regierungssprecher Steffen Seibert blockte die Kostendebatte ab. Noch stehe ja nicht fest, was nach Ende des Atom-Moratoriums im Juni beschlossen werde. Folglich könne es noch keine belastbaren Zahlen geben, sagte Seibert.

Als Kostenfaktor gilt neben den Milliardeninvestitionen in erneuerbare Energien und ins Energiesparen unter anderem der Ausbau des Stromnetzes. Brüderle sagte, es fehlten aktuell 3500 Kilometer Stromleitungen. Die Deutsche Energieagentur setzt dafür rund zehn Milliarden Euro bis 2020 an.

Röttgen: Kein Versorgungsproblem

Auch könnte Strom teurer werden. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte in der ARD, es sei klar, dass eine Stromverknappung zu steigenden Preisen auf dem Markt führen werde. Doch dürfe dies nicht einseitig zu Lasten der Verbraucher gehen.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen meinte, der Einstieg in ein neues Energiesystem sei kein Spaziergang. Doch gebe es keinen Grund zur Panikmache. Ein schneller Atomausstieg werde nur moderate Strompreiserhöhungen mit sich bringen. Ein Versorgungsproblem werde es ebenfalls nicht geben, sagte der CDU-Politiker im ZDF.

Die schwarz-gelbe Koalition will nach dem Unglück im japanischen Atomkraftwerk Fukushima schneller aus der Nutzung der Kernenergie aussteigen als sie es bisher vorhatte. Auf einen Zeitpunkt hat sie sich aber nicht festgelegt.

Brüderle und Röttgen hatten zusammen Vorschläge für die Beschleunigung der Energiewende erarbeitet. Dazu zählen auch hohe Investitionen in die Wärmedämmung alter Gebäude. Auch soll der Energie- und Klimafonds aus dem Haushalt auf eine Milliarde Euro aufgestockt werden.

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"Echter Energiekonsens"

Direkt nach dem Unglück von Fukushima hatte Merkel zunächst nur mit Unions-geführten Ländern beraten, weil nur diese Atomkraftwerke haben. Am Freitag erweiterte sie den Kreis.

SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte vor dem Energiegipfel: "Wir brauchen die Beteiligung aller Länder, des Parlaments, der Umwelt- und Verbraucherverbände, der Gewerkschaften und der Wirtschaft." Nötig sei ein "echter Energiekonsens", sagte er "Spiegel Online". Dazu müsste der Atomausstieg aber bis 2020 besiegelt werden.

Die SPD-Länder beantragten im Bundesrat eine Rückkehr zum Atomkonsens des Jahres 2000 - also einer Abschaltung aller Meiler bis etwa 2021. Auch sie wollen eine dauerhafte Stilllegung der derzeit abgeschalteten acht Reaktoren. Für die Reaktoren, die weiter genutzt werden sollen, müsse es Sicherheitskonzepte auf dem Stand der Technik geben.

Der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister (CDU) sagte der "Süddeutschen Zeitung", noch könne niemand seriös eine Jahreszahl nennen, wann das letzte AKW abgeschaltet werden könne.

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(apd/das)