Umfrage zum Bundespräsidenten: Bürger wollen deutlichere Worte von Wulff

Umfrage zum Bundespräsidenten : Bürger wollen deutlichere Worte von Wulff

Berlin (RPO). Knapp ein Jahr nach seiner Wahl zum Staatsoberhaupt wünscht sich einer Mehrheit der Bürger laut einer Umfrage eine stärkere Einmischung von Bundespräsident Christian Wulff in die Politik. 78 Prozent der Befragten forderten in einer Emnid-Umfrage, Wulff solle "mehr klare Kante" zeigen.

Dass Wulff zu aktuellen Fragen wie Euro-Rettung, Atomausstieg oder dem Ende der Wehrpflicht Stellung bezieht, wünschten sich 80 Prozent. Eine große Mehrheit von 83 Prozent war der Ansicht, dass Wulff Deutschland gut repräsentiert. Nur elf Prozent fanden das nicht.

CSU-Chef Horst Seehofer bescheinigte Wulff gegenüber der "Bild am Sonntag", er führe sein Amt "sehr, sehr gut". Er glaube, dass Wulff "mit zunehmender Amtsdauer stärker das Wort auch in aktuellen Debatten ergreifen wird - er kann es, und die Politik sollte es vertragen".

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast wünschte sich von Wulff künftig ein stärkeres Engagement: "Christian Wulff hat mit seinem Satz 'Muslime gehören zu Deutschland' eine wichtige Debatte in Deutschland angestoßen", sagte Künast der Zeitung. "Ich würde mir wünschen, dass der Bundespräsident sich häufiger auch in andere gesellschaftspolitische Debatten einmischt."

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier zeigte sich mit Wulff zufrieden. Der Präsident habe insbesondere mit seinen Reisen in die Türkei und nach Israel "wichtige Akzente" gesetzt und beim Thema Integration "offene und ermutigende Worte gefunden". FDP-Chef Philipp Rösler bezeichnete Wulff in der Zeitung als "hervorragenden Bundespräsidenten". Der Fraktionschef der Linkspartei, Gregor Gysi, forderte, Wulff müsse sich zum Zusammenhalt in der Gesellschaft und damit zur sozialen Frage deutlicher artikulieren.

Der damalige niedersächsische Ministerpräsident Wulff war am 30. Juni zum Bundespräsidenten gewählt worden. Er folgte auf Horst Köhler, der nach Kritik an seiner Amtsführung im Mai vergangenen Jahres überraschend zurückgetreten war.

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(AFP/felt)