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Energiewende: Bürger müssen für Windpark-Pannen mithaften

Energiewende : Bürger müssen für Windpark-Pannen mithaften

Die Regierung wälzt weitere Risiken der Energiewende auf die Verbraucher ab – etwa bei den Windparks in der Nordsee.

Die Regierung wälzt weitere Risiken der Energiewende auf die Verbraucher ab — etwa bei den Windparks in der Nordsee.

Stromkunden in Deutschland müssen weitere Kostenrisiken der Energiewende tragen: Die schwarz-gelbe Koalition hat im Bundestag drei weitere Umlagen beschlossen, die den Strompreis im kommenden Jahr erhöhen werden.

Um Schadenersatzforderungen der Betreiber von Offshore-Windparks auf hoher See bezahlen zu können, die nur mit kostspieliger Verzögerung ans Netz angeschlossen werden können, führt die Bundesregierung eine Offshore-Umlage ein, die die Verbraucher tragen müssen. Zudem sollen die Behörden den Stromversorgern vom übernächsten Winter an verbieten können, unrentable Kraftwerke stillzulegen, wenn sonst ein Blackout droht. Auch die dann fällige "angemessene Entschädigung" der Versorger zahlen die Stromkunden.

Eine dritte zusätzliche Umlage sieht die "Verordnung zu abschaltbaren Lasten" vor. Energieintensive Betriebe wie Aluminiumhütten oder Stahlwerke sollen demnach auf Zuruf freiwillig kurzfristig ihren Strom abschalten, um Schwankungen im Netz auszugleichen. Dafür bekommen sie eine Entschädigung, die wiederum alle übrigen Stromkunden bezahlen. Stimmt der Bundesrat in seiner Sitzung am 14. Dezember zu, können die Regelungen schon im Januar in Kraft treten.

Alle drei zusätzlichen Umlagen dürften die jährliche Stromrechnung eines Durchschnittshaushalts mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden um mehr als zehn Euro erhöhen. Derzeit bezahlt dieser Haushalt bereits nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zur Förderung des Ökostrom-Ausbaus 185 Euro EEG-Umlage pro Jahr.

Diese wird sich 2013 durch neue Entlastungen für Großkunden bei den Netzkosten um elf Euro erhöhen. Hinzu kommen nun weitere neun Euro für Pannen beim Netzanschluss der Windparks auf hoher See und ein bis vier Euro als Entschädigung für Industriebetriebe, die ihren Strom auf Zuruf abschalten. Weitere Kosten könnte das Anti-Blackout-Gesetz verursachen, sollten die Behörden tatsächlich den Weiterbetrieb unrentabler Kraftwerke im Winter 2013/14 verordnen. Dann fielen nochmals bis zu 1,55 Euro pro Jahr an.

SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil warf Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) am Donnerstag im Bundestag vor, die Strompreise selbst anzuheizen. "Sie sollten keine Krokodilstränen über höhere Strompreise vergießen", sagte Heil. Rösler erklärte, die Maßnahmen stärkten die Versorgungssicherheit.

Der Netzbetreiber Tennet hat erhebliche Probleme bei den Anschlüssen der Windparks in der Nordsee. Tennet ist für den Anschluss von zehn Offshore-Parks zuständig. Geschäftsführer Lex Hartmann sagte, das Gesetz bringe mehr Rechtssicherheit für Windenergie auf See. Schon jetzt sei mit Entschädigungen von rund einer Milliarde Euro zu rechnen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So wirbt die Regierung für den Netzausbau

(mar)