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Minister will mit Begrüßungsgeld locken: Brüderle will ausländische Fachkräfte holen

Minister will mit Begrüßungsgeld locken : Brüderle will ausländische Fachkräfte holen

Düsseldorf (RPO). Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) will mit einer groß angelegten Offensive qualifizierte ausländische Fachkräfte nach Deutschland locken. "Das Thema, wie Deutschland für ausländische Facharbeiter endlich attraktiv wird, steht ganz oben auf meiner Agenda", sagte Brüderle in einem Interview.

"Ich plane für die nächsten Monate eine Fachkräfte-Initiative." Ihm gehe es darum, "ein Gesamtkonzept zu entwickeln, mit dem qualifizierte ausländische Arbeitnehmer nach Deutschland kommen", sagte er gegenüber dem "Handelsblatt".

Ein Mittel für die Anwerbung von Hochqualifizierten sei "die Reduzierung der Einkommensschwellen" für ausländische Fachkräfte. Auch ein Begrüßungsgeld der Wirtschaft für Fachkräfte hält der Wirtschaftsminister für möglich. "Es ist denkbar, dass einige Unternehmen, die es sich leisten können und dringenden Bedarf haben, ausländischen Facharbeitern eine Lockprämie zahlen", sagte Brüderle weiter. Ausgeschlossen sei dagegen, "dass der Bund mit Steuergeldern Fachkräfte aus dem Ausland den Weg nach Deutschland versüßt".

Für seinen Vorstoß wolle er die Wirtschaftsverbände und auch Wissenschaftler einladen, sagte Brüderle. "Der Fachkräftemangel wird in den nächsten Jahren zum Schlüsselproblem für den deutschen Arbeitsmarkt und nicht die Arbeitslosigkeit", sagte er. Bei drei Millionen Arbeitslosen sei das Problem noch nicht so sichtbar. "Aber je länger der Aufschwung anhält, desto größer wird das Problem."

Verdi lehnt Vorschlag ab

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat dem Vorschlag von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), ausländische Fachkräfte mit einer Lockprämie anzuwerben, eine klare Absage erteilt. Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane sagte der "Saarbrücker Zeitung": "Das ist ein besonders dreistes Ablenkungsmanöver."

Wenn im Mai 2011 der Arbeitsmarkt durch die EU-weite Freizügigkeit auch für osteuropäische Arbeitskräfte geöffnet werde, drohe vielmehr eine Fortsetzung des von Arbeitgebern lange praktizierten Lohndumpings, "auch bei qualifizierten Tätigkeiten", betonte Mönig-Raane. "Dagegen helfen nur Mindestlöhne, die Brüderle verhindern will." Alle Fachkräfte, "egal ob inländische oder ausländische", müssten überdies von ihrer Arbeit leben können. "Alles andere ist politisches Illusionstheater." Mit Blick auf den Aufschwung betonte Mönig-Raane: "Herr Brüderle selbst hat sicherlich das Wenigste dazu beigetragen, dass die Wirtschaft anzieht."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Rainer Brüderle

(AFP/felt)