Parteitag in Berlin: Brüderle beschimpft Rot-Grün als "Fuzzis"

Parteitag in Berlin : Brüderle beschimpft Rot-Grün als "Fuzzis"

Die FDP hat Rainer Brüderle zu ihrem Spitzenkandidaten für den Wahlkampf gekürt. In seiner aggressiven Rede stimmte der Fraktionschef der Liberalen seine Partei auf den Wahlkampf ein. Rot-Grün stilisierte er zum Wohlstandvernichter. Brüderle wurde mit minutenlangem Applaus gefeiert.

Der frisch gekürte FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle forderte seine Partei auf, offensiv in den Wahlkampf gegen SPD und Grüne zu ziehen. Er warf der Opposition auf dem Parteitag am Sonntag in Berlin vor, mit ihren Konzepten Wohlstand vernichten zu wollen.

Die FDP sei dagegen dafür verantwortlich, dass Deutschland in den vergangenen drei Jahren ein Wirtschafts-, Beschäftigungs-, Export- und Wohlstandswunder erlebt habe.

Spott für Steinbrück

Nachdem sich FDP-Chef Philipp Rösler am Samstag stärker auch vom Koalitionspartner Union abgrenzt hatte, attackierte Brüderle vor allem Sozialdemokraten, Grüne, aber auch Gewerkschaften und Defizitsünder in Europa.

Die Bundestagswahl am 22. September werde eine Richtungswahl, weil die Opposition in Wahrheit ein Bündnis mit der Linkspartei vorbereite. "Wir lassen nicht diese Fuzzis, diese fehlprogrammierten Typen unser Land regieren", sagte Brüderle.

Zudem griff der Fraktionschef SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück an, der wegen seiner bezahlten Reden und Äußerungen über das Kanzlergehalt in die Kritik geraten war. "Die SPD hat keinen Kanzlerkandidaten aufgestellt, sondern eine Fettnapf-Suchmaschine."

Die FDP als Gegenmodell

Die FDP sei in vielen Bereichen ein klares Gegenmodell zu einer "Bevormundsideologie" von SPD und Grünen, sagte Brüderle.
Er sprach sich für Haushaltsdisziplin sowohl in Deutschland und Europa aus.

Mit dem Hinweis auf steigende Beschäftigtenzahlen warf er der Opposition zudem vor, eine irreführende Debatte über Mindestlöhne begonnen zu haben.
Es gebe Fehlentwicklungen in der sozialen Marktwirtschaft, die auch die FDP korrigieren wolle. Deshalb sei die schwarz-gelbe Regierung etwa gegen Leerverkäufe und den Hochfrequenzhandel vorgegangen.

Zugleich warf Brüderle den Gewerkschaften vor, Mitschuld etwa an den Boni-Exzessen von Managern zu sein. Sie hätten hohe Zahlungen an Manager in den paritätisch besetzten Aufsichtsgremien zugestimmt. "Diese Boni-Kartelle müssen gebrochen werden."

Der FDP-Fraktionschef plädierte auch für einen Stopp der Bundeszahlungen für den Berliner Großflughafen, die Gleichstellung homosexueller Paare, den Abbau der Subventionen für erneuerbare Energien und das Recht älterer Arbeitnehmer, so lange wie gewünscht zu arbeiten.

"Da brennt der Baum"

In seiner mit mehrminütigem Applaus bedachten Rede appellierte der 67-Jährige zugleich an den Kampfesmut seiner Partei: "Ab sofort ziehen wir den blau-gelben Kampfanzug an und gehen in die Auseinandersetzung für unsere Überzeugungen, für unsere Ideen." Auch durch Beschimpfungen werde sich die FDP nicht verbiegen lassen.

Er sei bereit, als Sturmspitze für die FDP in den Wahlkampf zu ziehen. Mit Blick auf das neue Führungsteam der Partei versprach er: "Wir werden alle gemeinsam einen Wahlkampf hinlegen, da brennt der Baum." Er werde mit FDP-Parteichef Rösler eng zusammenarbeiten.

Dieser war am Samstag in seinem Amt bestätigt worden. Brüderle musste für den informelle Posten des Spitzenkandidaten nicht gewählt werden.

(REU/sap/pst)