Branche boomt: Trotzdem sinkende Löhne bei Paketzustellern

Teils „mafiöse Strukturen“ : Die Paketbranche boomt - die Löhne der Zusteller sinken

Obwohl die Branche boomt, nahm der Verdienst der Paketzusteller im Zehnjahresvergleich deutlich um 13 Prozent ab. Das geht aus einer Regierungsstatistik hervor. Die Realität sei sogar noch düsterer, sagen die Linken.

Der Markt der Paketdienste boomt, aber die Verdienste der Beschäftigten gehen trotz wachsender Nachfrage immer weiter zurück. Wie die Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken mitteilte sank das mittlere Bruttomonatsentgelt in der Branche von 2007 bis 2017 von 2859 auf 2478 Euro. Das ist eine Abnahme um 13 Prozent. Zugleich stiegen die Vergleichsentgelte in der Gesamtwirtschaft um 23,7 Prozent.

Die Gesamtzahl der Beschäftigten nahm im gleichen Zeitraum von 102.000 auf 155.000 zu. In der differenzierten Betrachtung konnten Vollzeitbeschäftigte in tarifgebundenen Betrieben ein Einkommensplus verzeichnen. Sie verdienen inzwischen 662 Euro brutto mehr als ihre Kollegen ohne Tarifbindung. Vor zehn Jahren war die Diskrepanz erst halb so groß.

Linken-Gewerkschaftsexperte Pascal Meiser verweist darauf, dass in dieser Statistik die ausländischen Subunternehmer nicht mit erfasst seien. Die Realität in der Branche sehe tatsächlich also noch düsterer aus. „Die Bundesregierung muss dringend gegen die Schmutzkonkurrenz vorgehen, die die Löhne in dieser Branche immer mehr unter Druck setzt“, sagte Meiser. Wie die Briefzustellung müsse die Paketzustellung an eine Lizenz geknüpft und diese bei Rechtsverstößen entzogen werden. Meiser sprach sich zudem für verstärkte Kontrollen aus.

Die Paket- und Kurier-Branche ist seit geraumer Zeit im Verruf, Mindestlöhne und Sozialabgaben zu umgehen. Zuletzt hatte Verdi-Chef Frank Bsirske von teils „mafiösen Strukturen“ gesprochen. Er beklagte, dass Paketdienste Firmen engagierten, die wiederum andere Firmen beauftragen, die dann Menschen aus der Ukraine, aus Moldawien oder aus Weißrussland anheuerten. Es würden Stundenlöhne von 4,50 Euro oder 6 Euro gezahlt bei Arbeitszeiten von 12 oder sogar 16 Stunden pro Tag. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat bereits angekündigt für die Branche die sogenannte Nachunternehmerhaftung einzuführen. Dann müssen die großen Zustelldienste haften, wenn ihre Subunternehmer die Regeln für Mindestlohn und Sozialabgaben nicht einhalten.

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