"Wieder verbrennen Sie uns!": Bosbach kritisiert türkische Medien

"Wieder verbrennen Sie uns!" : Bosbach kritisiert türkische Medien

Berlin (RPO). Der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach (CDU) hat die Berichterstattung in türkischen Medien über die Brandkatastrophe in Ludwigshafen scharf kritisiert. Türkische Blätter hatten mit Schlagzeilen wie "Wieder verbrennen Sie uns!" für Aufsehen gesorgt. Bosbach nannte diese Ausfälle "einfach unerträglich". Bei dem Feuer in Rheinland-Pfalz waren neun Türken ums Leben gekommen.

"Es gibt überhaupt keinen Grund für den Verdacht, dass die Polizei nicht vorbehaltlos in alle Richtungen ermitteln würde", sagte Bosbach der "Passauer neuen Presse". Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der am Donnerstag den Unglücksort besucht hatte, solle deutlich machen, dass die deutschen Ermittlungsbehörden Unterstützung verdienen. Die Politik solle sich aus den Ermittlungen heraushalten.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) warf einem Teil der türkischen Medien verantwortungsloses Handeln vor. Er hoffe aber, dass Deutsche und Türken nach den Aufregungen enger zusammenrückten. Der Tod von neun Türken in Ludwigshafen sei ein "schlimmes Unglück, das uns alle miteinander betrifft", sagte Schäuble am Donnerstagabend im ZDF-"heute journal". Schäuble und Bosbach begrüßten die Anwesenheit von türkischen Ermittlern.

Der Berliner Migrationsforscher Haci-Halil Uslucan machte den hessischen Landtagswahlkampf mitverantwortlich für die eskalierte Stimmung zwischen Deutschen und Türken nach dem Brand in Ludwigshafen. Dass in Hessen der Fokus auf die "angeblich gescheiterte Integration von Ausländern" gerichtet worden sei, hätten viele Zuwanderer als Missachtung durch die Mehrheitsgesellschaft aufgefasst, sagte Uslucan der "Frankfurter Rundschau" (Freitagausgabe) laut Vorabbericht. Wenn jetzt nach dem Ludwigshafener Brand von türkischer Seite Verdächtigungen gegen die deutsche Seite laut würden, sei das auch eine Gegenreaktion darauf.

(afp)
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