Borkenkäfer und Dürreschädern: Waldeigentümer fordern 500 Millionen Euro Nothilfe

500 Millionen Nothilfen gefordert : Waldbesitzer schlagen Alarm wegen Borkenkäfern und Dürreschäden

Der Großteil des Waldes in Deutschland ist in privatem Besitz. Viele Eigentümer mussten im vergangenen Sommer hohe Schäden verbuchen. Schädlinge sind im milden Winter kaum abgestorben. Jetzt soll der Bund in der „katastrophalen Lage“ unterstützen.

Wegen massiver Dürreschäden aus dem vergangenen Jahr und sich rasant ausbreitender Schädlinge wie dem Borkenkäfer schlagen die deutschen Waldbesitzer Alarm. Sie verlangen 500 Millionen Euro Nothilfe, um das viele Schadholz schnell aus den Wäldern schaffen zu können. „Die Auswirkungen der jüngsten Wetterextreme haben zu einer katastrophalen Lage in unseren Wäldern geführt“, sagte Hans-Georg von der Marwitz, Präsident des Waldbesitzerverbandes AGDW, unserer Redaktion. Es herrsche Alarmstufe Rot, eine höhere Unterstützung sei „dringend geboten“.

Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) hatte die Folgen des Rekordsommers schätzen lassen. Demnach waren allein 2018 rund 30 Millionen Kubikmeter Schadholz angefallen, die vierthöchste Summe der vergangenen 30 Jahre. Für 2018 und 2019 rechne das Landwirtschaftsministerium mit einer Schadholzmenge von rund 70 Millionen Kubik- oder Festmetern und einem Gesamtschaden von 2,5 Milliarden Euro, hieß es. Zur Beseitigung der Schäden hatte Klöckner insgesamt 25 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, aufgeteilt auf die kommenden fünf Jahre. Aus Sicht der Waldbesitzer ist das viel zu wenig.

Sie fürchten angesichts des milden Winters und der aktuell warmen Temperaturen eine explosive Vermehrung von Schädlingen wie dem Borkenkäfer. „Bei der Rettung unserer Wälder handelt es sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, sagte Waldbesitzer-Präsident Hans-Georg von der Marwitz. „Aufgrund der katastrophalen Zustände in den Wäldern fordern wir einen ressortübergreifenden Pakt für den Wald, damit die vielfältigen Funktionen des Waldes in Deutschland erhalten bleiben.“ Dazu zähle der Wald als Klimaschützer, als Wasserspeicher, als Erholungsort und als Lebensraum für Tierarten.

Das Problem: Weil so viel Schadholz anfällt, ist der Holzmarkt gesättigt. Holz kann nicht abtransportiert werden, die Kosten werden durch die gesunkenen Erlöse nicht gedeckt. Deswegen fordern die Waldbesitzer außerdem, dass die bereits zugesagten Fördermittel leichter zugänglich gemacht werden und in den Wäldern von Bund und Ländern nicht zusätzliches frisches Holz geschlagen, also Bäume gefällt werden. Als letztes verfügbares Mittel im Kampf gegen Schädlinge drängt der Eigentümerverband zudem darauf, dass Pflanzenschutzmittel zur Verfügung gestellt werden, um die Massenvermehrung des Borkenkäfers aufzuhalten.

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