„Hätte das Handy besser weggelegt“ Boris Palmer gesteht Fehler im Fall Aogo ein

Tübingen · Späte Einsicht? Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat im Streit um seinen von vielen als rassistisch bewerteten Facebook-Kommentar über Dennis Aogo einen Fehler eingeräumt.

 Tübingens OB Boris Palmer (Archivbild).

Tübingens OB Boris Palmer (Archivbild).

Foto: dpa/Marijan Murat

In dem Moment, in dem sein Post mit seinem Oberbürgermeister-Amt in Verbindung gebracht werde, sei der Kommentar würdelos. „Da hätte ich das Handy in der Tat besser weggelegt, als die 65 Zeichen eingetippt“, sagte Palmer in dem am Freitag veröffentlichten Podcast „Die Wochentester“ der Tageszeitung „Kölner Stadt-Anzeiger“ und des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

Palmer hatte vor rund drei Wochen in einem Beitrag über den früheren Nationalspieler Aogo, der einen nigerianischen Vater hat, das sogenannte N-Wort benutzt. Mit diesem Begriff wird heute eine früher in Deutschland gebräuchliche rassistische Bezeichnung für Schwarze umschrieben. Die Grünen wollen ihn nun aus der Partei ausschließen. Palmer betonte, seine Äußerung sei ironisch gemeint gewesen.

Seit Jahren eckt der grüne Tübinger Oberbürgermeister mit markanten Aussagen an. Einige Beispiele, die für Aufsehen sorgten:

  • Im April 2020 äußerte sich Palmer zum Umgang mit Corona-Patienten: „Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären“, sagte er in einem Fernsehinterview.
  • Im April 2019 kritisierte er eine Werbekampagne der Deutschen Bahn, weil in dieser ausschließlich Menschen mit Migrationshintergrund abgebildet waren. „Welche Gesellschaft soll das abbilden?“, fragte er.
  • Im September 2018 behauptete Palmer, es gebe eine Häufung von Schwarzfahrern unter Flüchtlingen, und legte bei Facebook nach: „Es gibt ein Problem und es ist nicht harmlos.“ Die Bahn dementierte.
  • Im April 2018 regte er sich über einen wohl ruppigen Radfahrer mit dunkler Hautfarbe auf: „Das gehört sich für niemanden und für einen Asylbewerber schon dreimal nicht.“ Das nannte er später einen Fehler.
  • Im Dezember 2016 wurde Palmer für 24 Stunden bei Facebook gesperrt. Eine Begründung gab es angeblich nicht. Der Politiker selbst meinte, dass seine Frage „Was wurde aus dem Mohrenkopf?“ Auslöser war.
  • Im April 2016 äußerte sich Palmer zum „Schmähgedicht“, das der TV-Moderator Jan Böhmermann an den türkischen Präsidenten gerichtet hatte. Bei Facebook sprach er Erdogan an und nutzte vulgäre Begriffe.
  • Im September 2015 äußerte sich Palmer in der Flüchtlingskrise, dass Deutschland „nicht Platz für alle“ habe. Im August 2017 erschien sein Buch „Wir können nicht allen helfen“.
(felt/dpa)
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