Ausfall von Feuerwerk Böllerverbot – Kurz weniger Feinstaub, aber kein relevanter Umwelteffekt

Berlin · Wegen der Pandemie dürfen in diesem Jahr keine Böller verkauft werden, das Gesundheitssystem muss geschont werden. Aus Sicht des Umweltbundesamtes ist der Effekt des Silvesterfeuerwerks auf die Umwelt überschaubar. Klimaminister Robert Habeck zeigte sich dennoch offen für ein dauerhaftes Böller-Aus.

 Wegen der Corona-Pandemie gilt in diesem Jahr ein Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper.

Wegen der Corona-Pandemie gilt in diesem Jahr ein Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper.

Foto: dpa/Peter Steffen

An Silvester wird man in diesem Jahr frei durchatmen können und deutlich weniger Lärm auf die Ohren bekommen als in früheren Jahren. Allerdings wird der Ausfall der privaten Feuerwerke und Böllerei kaum dazu beitragen, die mittelfristige Schadstoffbelastung in der Luft in den Griff zu bekommen. Das zumindest legt eine  Einschätzung des Umweltbundesamtes (UBA) nahe. Demnach ist in der Silvesternacht zwar mit deutlich weniger Feinstaubbelastung und besserer Luft zu rechnen. Für die Umwelt insgesamt sei das Silvesterfeuerwerk allerdings weniger relevant, was mit der kurzfristigen Belastung in einer Nacht zu tun hat. Stattdessen hebt das UBA den Gesundheitsschutz hervor, zu dem das Böllerverbot positiv beitrage.

Wegen der Pandemie gilt in diesem Jahr gilt ein Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper. Damit sollen Verletzungen, Unfälle und damit verbundene Krankenhauseinweisungen vermieden werden, um das coronabedingt belastete Gesundheitssystem nicht weiter zu strapazieren. Der Bundesrat hatte das umfassende Verkaufsverbot für Böller am 17. Dezember gebilligt und damit eine Bund-Länder-Vereinbarung umgesetzt. Zudem haben zahlreiche Kommunen haben das Abbrennen von Pyrotechnik an zentralen Plätzen in der Silvesternacht untersagt.

Das UBA habe in den vergangenen Jahren kein Verbot gefordert, man setze auf Information und Augenmaß, sagte ein Sprecher. „Wir appellieren aber dringend an alle, einen Beitrag zur Verminderung der Feinstaubbelastung und des Lärms in der Silvesternacht zu leisten, entweder durch deutliches Einschränken des persönlichen Feuerwerk oder bestenfalls eben den kompletten Verzicht.“ Nach Angaben des UBA werden jährlich rund 2.050 Tonnen Feinstaub durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern freigesetzt, rund 75 Prozent in der Silvesternacht. Diese Menge entspreche knapp einem Prozent der jährlichen Gesamtmenge an freigesetztem Feinstaub.

Bundeswirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck (Grüne) hatte sich kürzlich bei einer Abendveranstaltung in Berlin offen für ein dauerhaftes Böllerverbot gezeigt. „Die Welt wird nicht schlechter, wenn wir nicht böllern“, sagte Habeck am 19. Dezember. Er brachte eine schrittweise Einführung eines generellen Böllerverbots ins Spiel. „Vielleicht findet man eine abgespeckte Version, dass Kinder das machen sollen, die Erwachsenen halten sich zurück und dann schleift sich das so aus“, so Habeck. Einordnend fügte eine Ministeriumssprecherin noch hinzu, dass es sich dabei um eine persönliche Einschätzung und einen persönlichen Blick handle. Minister Habeck halte eine grundsätzliche Debatte über ein Verbot zum jetzigen Zeitpunkt für nicht erforderlich und möchte diese auch aktuell nicht führen, so die Sprecherin.

Das Bundesumweltministerium verwies zwar auf die akut hohe Feinstaubbelastung in der Silvesternacht. Zugleich aber sagte ein Sprecher am Mittwoch in Berlin: „Das Böllerverbot hat in den politischen Maßnahmen, mit denen wir die Feinstaubbelastung wirklich senken, bisher keine relevante Rolle gespielt.“ Man sehe auch keine Notwendigkeit, aus Gründen der Luftbelastung eine Debatte über das Böllerverbot zu führen. Zudem verwies der Sprecher auf die Möglichkeit der Kommunen, den lokalen Einsatz von Feuerwerkskörpern zu beschränken.