Prozess gegen Björn Höcke Ein kleinlauter Extremist

Meinung | Halle · Der AfD-Rechtsaußen ist mit einer Geldstrafe für seinen SA-Spruch davongekommen. Das mag ihn nicht an neuen Tabubrüchen hindern. Aber das Landgericht Halle hat eine rote Linie gezogen.

 Björn Höcke, Vorsitzender der Thüringer AfD, wartet auf den Beginn seines Prozesses im Landgericht Halle.

Björn Höcke, Vorsitzender der Thüringer AfD, wartet auf den Beginn seines Prozesses im Landgericht Halle.

Foto: dpa/Ronny Hartmann

Die AfD und insbesondere ihr NS-Sympathisant Björn Höcke haben eine gewisse Meisterschaft darin entwickelt, extreme Botschaften zu versenden, ohne sie konkret aussprechen zu müssen. Der SA-Slogan „Alles für Deutschland“ ist so ein Fall. Es mag wie ein überspitzter Motivationsschub daherkommen, wie er Fußballmannschaften oder anderen hochambitionierten Leistungsteams schon mal als Ansporn dient. Mit der Anspielung auf den NS-Ruf signalisiert der Redner aber seinem Publikum, was er wirklich denkt und vorhat.

Für ein Gericht ist es dann schwer, zwischen strafbarer Handlung und zulässiger Meinungsäußerung zu unterscheiden. Und die Schwere der Tat zu bewerten. Zumal wenn – wie im Fall Höcke – der Delinquent völlig ahnungslos tut und gewisse Zeugen die Bedeutung des Spruchs für die Zeit des Nationalsozialismus herunterspielen. In diesem Dilemma bewegt sich auch der Gesetzgeber, wenn er solche Aussagen, mit denen ein Bezug zum NS-System hergestellt werden kann, unter Strafe stellt.

Trotzdem ist es richtig, bei eindeutigen Bekundungen wie „Alles für Deutschland“, „Unsere Ehre heißt Treue“ oder „Sieg Heil“ restriktiv vorzugehen. Das gehört zur wehrhaften Demokratie. Rechtsextremen Staatsfeinden darf nicht erlaubt werden, sich mit einem allzu durchsichtigen Szene-Code auf die Beseitigung der Verfassung zu verständigen. Der SA-Spruch „Alles für Deutschland“ ist eben nicht harmlos und ein bisschen übermotiviert, sondern bedeutet die Unterdrückung anderer Meinungen und die finale Ausschaltung des politischen Gegners. Das hat Strafe verdient.

Allerdings hat das Landgericht in Halle mit der empfindlichen Geldstrafe von 13.000 Euro Mäßigung gezeigt. Eine Bewährungsstrafe, wie sie der Staatsanwalt forderte, wäre zu hart gewesen. Ein Nazi-Spruch allein darf noch nicht potenziell ins Gefängnis führen. Hierfür ist mehr nötig. Aber in Verbindung mit Taten – wie etwa den körperlichen Angriffen auf demokratische Politikerinnen und Politiker – gewinnen solche Äußerungen an Gewicht. Wer klar signalisiert, dass er in Freund-Feind-Kategorien denkt und den Gegner womöglich physisch ausschalten will, begeht eben eine schwere Straftat.

Es wird freilich immer eine Gratwanderung bleiben. Denn die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, das sich nicht allein auf vernünftige Ansichten (wer will die auch festlegen?) bezieht. Auch abstruse und abwegige, selbst gefährliche Meinungen wie „Deutschland den Deutschen“ oder „Deutschland zuerst“, aber auch „Nieder mit dem kapitalistischen Ausbeuter-Staat“ oder „Israel ist ein Apartheidstaat“ müssen hingenommen werden. Das dürfen Gerichte nicht bestrafen, selbst wenn der Übergang zum Extremismus manchmal fließend ist. Völlige Sicherheit vor demokratiefeindlichen Handlungen gibt es eben nicht. Aber rote Linien dürfen und müssen gezogen werden. Das hat das Gericht mit der maßvollen Strafe getan. Der Rechtsextremist Höcke weiß nun, wo die Toleranz unseres freien Systems endet, selbst wenn er sie weiter testet. Am Ende entscheidet die unabhängige Justiz auf Grundlage der gegebenen Gesetze. Und dabei muss die Erhaltung unseres demokratischen Staatswesens oberstes Ziel bleiben.

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