Björn Höcke: Das sagt ZDF-Chefredakteur Peter Frey

„Wir wollten keinen Eklat“ : Das sagt ZDF-Chefredakteur Peter Frey zum abgebrochenen Höcke-Interview

AfD-Spitzenpolitiker Björn Höcke hat ein Interview mit dem ZDF abgebrochen. Einen Tag nach der Ausstrahlung und Veröffentlichung in der Mediathek hat nun der ZDF-Chefredakteur zu dem Vorfall Stellung bezogen.

Das von AfD-Politiker Björn Höcke abgebrochene Interview mit ZDF-Redakteur David Gebhard hat auch am Montag noch für Diskussionen gesorgt. ZDF-Chefredakteur Peter Frey stellte sich im hauseigenen „Mittagsmagazin“ der Debatte und sprach am Montag von einem „vorbildlichen Interview“. Er forderte die AfD auf, sich dazu zu positionieren, dass Höcke einem Journalisten mit „massiven Konsequenzen“ droht.

Die Frage sei, ob sich die Partei davon distanziere, sagte Frey. Der Terminvorschlag für das Interview habe aus Höckes Büro gestammt. Anlass des Interviews sei gewesen, dass „Berlin direkt“ sich Höcke porträthaft widmen wollte hinsichtlich seiner bundespolitische Bedeutung für die AfD und seiner Sprache. Die Redaktion habe sich entschieden, das Interview ungekürzt online zu stellen, um größtmögliche Transparenz herzustellen. „Und ich glaube, die transparenteste Lösung, auch für unsere Zuschauer, ist einfach gewesen, dass wir die 12 Minuten nehmen, sie ungeschnitten, so wie die Szene eben abgelaufen ist in Erfurt am letzten Mittwoch, in die Mediathek stellen, so dass jeder sehen kann, was passiert ist“, sagte Frey.

Das komplette Interview können Sie hier sehen

Im Gespräch mit Moderatorin Jana Pareigis zeichnete Frey noch einmal die Aufgaben des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks nach: „Wir haben einen Auftrag. Wir müssen uns mit der AfD auseinandersetzen, die Partei ist vertreten in allen Landtagen und im Bundestag. Sie ist von vielen Menschen gewählt worden. Natürlich müssen wir über sie berichten und hinterfragen. Daran kommen wir nicht vorbei.“

Man komme aber auch nicht daran vorbei zu berichten, wenn rote Linien überschritten werden, zum Beispiel, was die Institutionen in unserer Demokratie angehe: „Wenn sich vielleicht ausländerfeindliche oder antisemitische Zungenschläge in die Rede reinmogeln oder Andeutungen gemacht werden, dann müssen wir es markieren und können nicht darüber hinweg gehen, als sei es Business as usual.“

Frey hält die Veröffentlichung des vorzeitig beendeten Interviews für richtig: „Wir haben uns darüber wirklich intensiv Gedanken gemacht. Wie soll man damit umgehen?“, sagte er. Daraufhin erfolgte der Entschluss, das Video online zu stellen.

Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Frank Überall, erklärte, Höcke habe „ein weiteres dunkles Kapitel des gestörten Umgangs der AfD mit der Pressefreiheit im Allgemeinen und kritischen Journalistinnen und Journalisten im Besonderen aufgeschlagen“. Es sei völlig richtig gewesen, dass sich Gebhard nicht darauf eingelassen habe, das Interview in Höckes Sinn weichzuspülen. Höcke habe „die Schwelle von der Demokratie zu faschistischen Fantasien überschritten“.

(mit epd)
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