Beweissicherung von Alexa, Siri und Co.: Der digitale Lauschangriff

Spurensicherung im Netz : Der digitale Lauschangriff

Die Innenminister wollen künftig auch Daten von Sprachassistenten wie Alexa zur Beweissicherung und Verbrechensbekämpfung nutzen. Datenschützer erheben zu Recht Einwände.

Es ist schon praktisch, wenn man einfach nur noch rufen muss: „Hey Siri, spiel mal Piano Man“ und schon erklingen die ersten Klavierakkorde des Lieblingssongs. Doch Siri, Alexa und ihre Komplizinnen sind nicht nur aufmerksam, sie haben auch ein verdammt gutes Gedächtnis. Je nach dem mit welchen Geräten ihre Nutzer sie noch vernetzen, speichern sie Alltagsgewohnheiten und Zeiten, wann jemand zu Hause ist. Diese Daten wiederum sammeln die Anbieter der Geräte und sollen sie künftig den Strafverfolgungsbehörden im Verdachtsfall zur Verfügung stellen können. Das ist bedenklich – es ist der erste Schritt hin zum digitalen Lauschangriff.

In einem Punkt kann man die Haltung der Innenminister gut nachvollziehen: Die Strafverfolgungsbehörden können nicht in der analogen Welt stecken bleiben, wenn sich Straftäter alle Vorteile der Digitalisierung zu Nutze machen. Aber so wie es in der analogen Welt – beim Abhören und Speichern von Telefondaten – klare Regeln und einen Schutz der Privatsphäre gibt, muss es diese auch für die Auswertung digitaler Daten geben.

Zugleich sollte der Verbraucherschutz dringend nachgebessert werden. So wie ein Kunde widersprechen kann, dass ein Telefonat mit einer Hotline aufgezeichnet wird, sollte er auch die Aufbewahrung seiner Daten von internetfähigen Geräte verhindern können. Ein digitaler Lauschangriff sollte den Behörden wie beim Telefon nur im begründeten Verdachtsfall gestattet sein. Es muss eine ordentliche Abwägung zwischen dem Interesse der Verbrechensbekämpfung und dem Schutz der Privatsphäre geben. Das Thema der digitalen Spurensicherung bedarf also einer breiten Debatte und nicht eines einfachen Beschlusses der Innenminister.

(qua)
Mehr von RP ONLINE