Kolumne Berliner Republik : Heißer Herbst in Sicht

Die Frage, wer nun Angela Merkels Erbe antreten soll, rückt immer näher. In der Kanzlerkandidaten-Frage kommt es aber auch auf die Reihenfolge an.

Der heiße Herbst gehört eindeutig zu den überstrapazierten Sprachbildern. Er stand schon für eine heiß laufende Konjunktur, für Studentenproteste, für Tarifauseinandersetzungen und schaffte es nach den Protesten der Friedensbewegung gegen den Nato-Doppelbeschluss 1983 zum Wort des Jahres. Nun, könnte das Phänomen heißer Herbst nach dem Sommer 2020 jene Parteien liefern, die 2021 das Kanzleramt erobern wollen. Spannend wird dabei wer wann welchen Kandidaten aufstellt und wann dies geschieht.

Vermutlich wird als erste Partei die SPD ihren Kanzlerkandidaten proklamieren. Die Parteistrategen sprechen von Spätsommer oder Herbst. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kandidat Olaf Scholz heißt, ist relativ hoch – auch wenn die beiden Parteichefs vom linken Flügel dem Vernehmen nach noch in andere Richtungen sondieren. Die Grünen halten sich gänzlich bedeckt, zu welchem Zeitpunkt sie ihren Anwärter oder ihre Anwärterin für die Merkel-Nachfolge bekannt geben wollen. Entgegen sonst bei den Grünen beliebter Verfahren werden sie dieses Mal nicht die Schwarmintelligenz der eigenen Basis zurate ziehen. Vielmehr ist mit einer klassischen Hinterzimmer-Entscheidung zwischen Annalena Baerbock und Robert Habeck zu rechnen, in die eine Handvoll weiterer Spitzen-Grüner einbezogen wird. Möglicherweise wird der Parteitag im November die Entscheidung durchwinken.

Die letzten in der K-Fragen dürften CDU und CSU werden. Erst beim Parteitag Anfang Dezember soll der neue Vorsitzende in einer Kampfkandidatur zwischen Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen bestimmt werden. Überraschungen nicht ausgeschlossen. Dann muss mit der CSU verhandelt werden, ob der neue Parteichef auch Kanzlerkandidat werden darf.

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