Berliner Republik Leichtes Spiel für die Lauten

Meinung | Berlin · Politiker, die konstruktiv um die besten Lösungen ringen, haben es oft schwer. Wer dagegen die anderen mit Häme überzieht, findet sein Publikum.

 Symbolfoto.

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Foto: dpa/Frank Augstein

Ach, wie schön und friedlich war dieses lange und zwischendurch sogar ganz frühlingshafte Osterwochenende. In Berlin schien die Sonne, die Menschen strömten in die Parks und erfreuten sich an den blühenden Magnolien-Bäumen. Ein guter Anlass, um sich ein paar Gedanken zu machen zum Verhältnis zwischen Politikerinnen und Politikern mit ihren Wählern und Wählerinnen.

Das unauflösliche Dilemma für jeden Politiker ist, dass schlechte Nachrichten sehr viel stärker in der Öffentlichkeit durchdringen als gute Nachrichten. „Only bad news are good news“ ist offenbar nicht nur ein bekannter Satz aus der Medienbranche, er gilt inzwischen auch für Menschen, die in der Politik arbeiten. Alle Versuche, eigene Kanäle, Websites oder Artikel mit ausschließlich guten Nachrichten zu bestücken, sind bestenfalls mäßig erfolgreich.

Das führt dazu, dass die Lautschreier unter den Politikern so viel leichteres Spiel haben als diejenigen, die konstruktiv, leise und zielstrebig um die besten Lösungen ringen. Wer sich vor ein Mikrofon stellt, um einen anderen Politiker niederzumachen, hat viel höhere Chancen, es in die Schlagzeilen zu schaffen.

Das gleiche Phänomen gilt aber auch für alle von uns, die wir die Arbeit der Politiker ein uns andere Mal an den Wahlurnen belohnen oder durch Stimmentzug bestrafen. Auch wir beachten – wenn wir ehrlich sind – zuerst die schlechten Nachrichten. Um uns darüber zu empören. Um den Politikern die Eignung abzusprechen. Und vielleicht manchmal auch, um uns einfach abzureagieren.

Das ist nicht immer fair. Klar nerven diese Lautsprecher, doch sie sind eine Minderheit. Die meisten anderen arbeiten hart und ringen ernsthaft um die beste Entscheidung. Politiker müssen in einer Demokratie viele unterschiedliche Meinungen beachten und darauf basierend Entscheidungen treffen und Gesetz formen. Das geht nicht ohne Kompromiss, der dementsprechend immer und grundsätzlich suboptimal ist – und gar nicht anders sein kann.

Unsere Autorin ist Publizistin in Berlin. Sie wechselt sich hier mit unserer Bürochefin Kerstin Münstermann und unseren beiden Hauptstadt-Korrespondenten Jan Drebes und Hagen Strauß ab.

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