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Die Virus-Erklärer der Nation müssen ihre Wortwahl beachten

Berliner Republik : Die Virus-Erklärer der Nation

Wissenschaftler genießen viel Aufmerksamkeit – und müssen ihre Worte abwägen.

Dass Politik und Medien den Beziehungsstatus „es ist kompliziert“ innehaben, ist kein Geheimnis. Politiker wünschen sich die Medien als Lautsprecher, Resonanzboden und Katalysatoren ihrer Botschaften. Wenn alles glatt geht, stehen sie mit guten Nachrichten noch besser da. Läuft es für eine Partei oder einen Politiker gerade nicht so gut, ist ihnen die Verstärker-Funktion der Medien oft nicht recht.

In der Corona-Krise finden sich neben den Akteuren Politik und Medien noch die Wissenschaftler – in besonderer Ausprägung die Virologen. Sie sind in einem solchen Maß als Experten gefragt, dass ihre Äußerungen Politik, öffentliche Meinung, gar den Aktienkurs beeinflussen können. Der Berliner Virologe Christian Drosten und der Bonner Wissenschaftler Hendrik Streeck haben im Laufe der Corona-Krise ein Art Anchorman-Position als Virus-Erklärer erreicht. Sie bringen viel Expertise mit und können komplexe Zusammenhänge allgemeinverständlich auf den Punkt bringen.

Nun aber gab es Unmut unter den Experten. Die Corona-Studie, die Streeck im Kreis Heinsberg durchgeführt hat, erhielt in in einer ersten Reaktion von Drosten das Prädikat „Kann daraus nichts ableiten“. In der eher vorsichtigen Sprache der Wissenschaft ist das eine scharfe Kritik. In Gegnerschaft zum Kollegen will sich Drosten aber auch nicht positionieren. Per Twitter stellte er klar, es gebe keinen Vorwurf an die Kollegen, nur eine Nachfrage. Diskurs ermögliche wissenschaftliche Meinungsbildung. Von einem Gelehrtenstreit, wie ihn manche Medien interpretierten, wollte Drosten nichts wissen. Die Wissenschaftler stehen in der öffentlichen Kommunikation in einem ähnlichen Dilemma wie die Politiker: Sie wünschen und sie brauchen die Medien als Verstärker – verzweifeln aber daran, dass sie laut und leise nicht selbst regeln können.

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Autorin: kolumne@rheinische-post.de