Pflüger verliert Machtkampf: Berliner CDU wählt Fraktionschef ab

Pflüger verliert Machtkampf : Berliner CDU wählt Fraktionschef ab

Berlin (RPO). Es war nur eine knappe Mehrheit, doch die reichte aus. Der Berliner CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger hat den innerparteilichen Machtkampf verloren. Der 53-Jährige wurde am Donnerstag in einer Sondersitzung der Fraktion abgewählt.

Friedbert Pflüger hat hoch gepokert und verloren. Nach nur zweijähriger Amtszeit als Berliner CDU-Fraktionschef musste der 53-Jährige am Donnerstag seinen Hut nehmen. Da er im Streit um seinen Griff nach dem Landesvorsitz einen Rücktritt kategorisch ausschloss, zeigte ihm die Fraktion die Rote Karte. Die Querelen haben die Hauptstadt-Union, die in Berlin seit 2001 die Oppositionsbank drückt, erneut in eine schwere Krise gestürzt.

Die Art und Weise von Pflügers Abgang trägt Züge einer persönlichen Tragödie. Innerhalb von nur einer Woche hat er sämtlichen Kredit verspielt. Auch seine unbestrittenen Verdienste um eine behutsame Öffnung der Berliner CDU für neue Bündnisoptionen waren plötzlich nur noch eine Randnotiz wert. Mit fehlendem Gespür für die realen Machtverhältnisse und Starrsinn brachte er auch einstige Getreue gegen sich auf. Zurück blieb ein ziemlich einsamer Politiker, der sich jetzt mit einem Platz als Hinterbänkler im Landesparlament begnügen muss. Vorerst.

Zumindest in der Berliner CDU hat Pflüger keine große Zukunft mehr, sind sich politische Beobachter einig. Damit stellt ihm jener Landesverband den Stuhl vor die Tür, der 2006 um den aus Niedersachsen stammenden Politiker gebuhlt hatte. Die Hauptstadt-Union suchte damals monatelang händeringend nach einem Spitzenkandidaten und Herausforderer für den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

Der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium und Bundestagsabgeordnete war zwar nicht die erste Wahl, ließ sich aber als einziger Politiker mit bundespolitischer Erfahrung auf den völlig zerstrittenen Berliner Landesverband ein.

Dort gelang es ihm im Unterschied zu früher, in gemeinsamen, gezielten Aktionen mit Grünen und FDP den rot-roten Senat mehrfach massiv unter Druck zu setzen. Zugleich versuchte er, die CDU inhaltlich auf den Weg zu einer modernen Großstadtpartei einzuschwören.

Mit dem Abgang Pflügers sind die Probleme keineswegs gelöst, auch wenn die CDU durch die umgehende Wahl eines Nachfolgers versuchte, die Führungskrise möglichst schnell zu beenden. Der neue Fraktionschef Frank Henkel steht im Unterschied zu seinem Vorgänger, der dem liberalen Flügel der Partei zugerechnet wird, eher für konservative Werte.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Wer ist Friedbert Pflüger?

(afp)
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