Nach Angriffen in Saudi-Arabien : Staaten wollen Ölpreis dämpfen

Die Angriffe auf Ölanlagen in Saudi-Arabien sollen mit iranischen Waffen erfolgt sein. Der dadurch ausgelöste Preisschock ist am deutschen Markt bisher jedoch kaum spürbar.

Deutsche Verbraucher müssen sich nach den Drohnen-Angriffen auf die wichtigste Ölraffinerie Saudi-Arabiens auf zumindest kurzzeitige Preissprünge einstellen. Am ersten Handelstag nach der Attacke legten die Ölpreise am Montag um teils 20 Prozent zu. Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee stieg zeitweise auf ein Vier-Monats-Hoch von 71,95 Dollar je Barrel. Das ist zwar der größte Kurssprung seit dem Golfkrieg von 1991, der Preis ist aber noch weit entfernt von früheren Höchstständen von deutlich über 100 Dollar je Barrel (159 Liter).

Obwohl auch die Notierung für Heizöl am Montag um rund acht Prozent anzog und ein Liter Heizöl aktuell rund 70 Cent kostet bei Bestellung von 3000 Litern, riet die Marktexpertin Christina Wallraf von der Verbraucherzentrale NRW davon ab, sich nun nervös den Heizungstank füllen zu lassen. „Klar, vor einem Jahr lag die Notierung für Heizöl mehr als zehn Cent höher, aber vor zwei   Jahren wiederum mehr als zehn Cent niedriger.“  Wer nun sicher sein will, gegen höhere Preise geschützt zu sein, der müsste nun bestellen.  „Da aber auch niedrigere Preise möglich sind, könnte man sich dann ärgern ,wenn man einige hundert Euro zuviel investierte“, sagte Wallraf.

Zumal Engpässe bei Mineralölprodukten wie Benzin, Diesel, Heizöl und Kerosin nicht zu befürchten sind, wie der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) mitteilte. Demnach bezog Deutschland im vergangenen Jahr gerade einmal 1,7 Prozent seiner Ölimporte aus Saudi-Arabien, im ersten Quartal 2019 waren es 0,8 Prozent. Das meiste Öl stammt den Angaben zufolge aus Russland. Saudi-Arabien und die USA haben angekündigt, die entstandene Förderlücke durch Rückgriff auf ihre Reserven soweit wie möglich zu kompensieren. Die Bundesregierung sieht hingegen keine Notwendigkeit, die nationalen Reserven freizugeben.

Am Wochenende hatten Angriffe auf saudi-arabische Ölanlagen fünf Prozent der weltweiten Rohöl-Produktion lahmgelegt. Nach Angaben Saudi-Arabiens haben die im Nachbarland Jemen kämpfenden Huthi-Rebellen iranische Waffen für den Luftschlag benutzt. Erste Ermittlungen wiesen darauf hin, dass Drohnen des Typs „Ababil“ eingesetzt worden seien, erklärte der Sprecher der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition, Turki al-Maliki, am Montag, wie der Nachrichtensender Al-Arabija meldete. Die Angriffe seien jedoch nicht von jemenitischem Boden aus gestartet worden. US-Präsident Trump verschärfte den Ton gegenüber dem Iran nach den Angriffen: „Wir haben Anlass zu glauben, dass wir den Schuldigen kennen, und warten mit geladener Waffe auf die Bestätigung“, drohte er an die Adresse Teherans gerichtet.Trump hatte am Sonntag bereits mit einem Vergeltungsschlag gedroht. Die USA stünden Gewehr bei Fuß, warteten aber auf Angaben der saudischen Führung, wen sie für den Angriff verantwortlich mache, erklärte er.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) rief zur Deeskalation auf. „Die Attacke ist durch nichts zu rechtfertigen und das Gegenteil der dringend nötigen Deeskalation“, sagte Maas unserer Redaktion. „Wir werden mit unseren Partnern genau und mit der notwendigen Besonnenheit analysieren, wie es zu diesem Angriff kommen konnte und wer dafür verantwortlich zu machen ist.“ Der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Nils Schmid, rief zu internationaler Zusammenarbeit auf. „Wir benötigen dringend einen ganzheitlichen Ansatz für Deeskalation, der die gesamte Region in den Blick nimmt“, sagte Schmid. „Denkbar wäre zum Beispiel eine gemeinsame Konferenz zur Sicherheit in der Golfregion.“ Unterdessen hieß es aus Kreisen der Bundesregierung, dass man das Moratorium für Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien erneut verlängern wolle. Hauptgründe dafür seien der anhaltende Bürgerkrieg im Jemen, in den Saudi-Arabien und Iran verwickelt sind. Auch die SPD erteilte Überlegungen aus der Union, den Exportstopp zu lockern, eine Absage. „Der Vorschlag aus den Reihen der CDU/CSU, das gegenüber Saudi-Arabien bestehende Rüstungsexport-Moratorium aufzuheben, geht in die völlig falsche Richtung“, sagte Außenpolitiker Schmid.

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