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Grünen-Mitarbeiter glaubten an Telefonscherz: Kein Gag, die Kanzlerin ruft an!

Grünen-Mitarbeiter glaubten an Telefonscherz : Kein Gag, die Kanzlerin ruft an!

Die Grünen sind plötzlich als potenzieller Koalitionspartner nah dran an der Macht. Doch die Umgewöhnung kommt für manche Mitarbeiter überraschend, wie der Versuch einer Kontaktaufnahme durch das Kanzleramt zeigt.

"Guten Tag, hier ist das Bundeskanzleramt, darf ich mit Frau Merkel verbinden?" Sicherlich würde jeder bei einem solchen Anruf zunächst nur an einen Scherz von Kollegen oder Freunden denken. Oder an einen Rundfunksender, der zur Gaudi der Hörer ahnungslose Büromitarbeiter foppt.

Als am Dienstag im Wahlkreisbüro des Grünen-Chefs Cem Özdemir das Telefon klingelte, und das angebliche "Vorzimmer der Bundeskanzlerin" nach Herrn Özdemir fragte, um ihn "mit der Bundeskanzlerin verbinden" zu können, kam erschwerend hinzu, dass die Mitarbeiter einschlägige Scherze ihres Chefs gewohnt waren. Er hatte sie in der Vergangenheit schon häufiger auf den Arm zu nehmen versucht, indem er sich mit verstellter Stimme bei ihnen meldete. "Ja klar!" war die sarkastische aber nicht ernst gemeinte erste Reaktion. Wie lustig!

Doch die Dame am anderen Ende insistierte weiter: "Ist Herr Özdemir denn da und kann ich nun mit der Bundeskanzlerin verbinden?" Und da begann das Wahlkreisbüro zu zweifeln, ob der Chef seine Stimme denn wirklich auch so weiblich verstellen kann. Die vorsichtige Nachfrage hatte viel mit "sind Sie es wirklich?" und "Entschuldigung" und "wir kümmern uns drum" zu tun.

Flugs sorgte das Büro dafür, dass die Verbindung über Özdemirs Handy zustande kam: Es war tatsächlich die Einladung von Angela Merkel an die Grünen zum offiziellen Sondierungsgespräch. Im Stuttgarter Wahlkreisbüro hatte offenkundig die Vorstellung geherrscht, dass das Bundeskanzleramt dafür das Büro des Bundesvorsitzenden in Berlin auswählen würde, statt den Abgeordneten an seiner eigenen Basis zu vermuten.

(-may)